Zugegeben, die Angabe war ein bisschen dünn. Wild kann Reh oder Hirsch oder Wildsau oder Hase sein. Und für die Zubereitung stehen einem hundert kulinarische Türen offen. Beim Schlachter fingere ich schließlich in Richtung Hasenkeulen. Doch schon beim Nachhausetragen beginne ich, den Entscheid zu bereuen. Im Gehirn meldet sich eine entsetzliche literarische Erinnerung an die Gymnasialzeit. In der Wohnung kralle ich mir das Buch, das meine Vorfreude hat zerbröseln lassen: Hansjörg Schneider, »Ein anderes Land«.

Der Text der Kurzgeschichte über Jäger und Tier geht so: »Einer geht durch den Wald. Auf Tannenzweigen und Boden liegt Schnee. Die Schuhe knistern beim Aufsetzen, aus dem Mund dringt stoßweise Dunst. Weiter vorne, bei einer Ansammlung von Autos, sieht er ein Rudel Menschen. Beim Näherkommen merkt er: Jäger. Sie sind gehüllt in grüne Lodenmäntel, tragen Hüte auf fleischigen Köpfen, paffen Zigarren. Einer hält zwei Hasen an den Hinterbeinen, ihre Nasen bluten in den Schnee. In den Händen weiterer fünf Jäger hängt je ein Hase. Die toten Tiere tropfen.«

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»Im weiteren Umkreis sieht er handgroße Blutflecken, dunkelrot hat das Blut den Schnee geschmolzen. Hier starben Hasen.»

Schneider hat Bekömmlicheres geschrieben. Ein paar Krimis, »Wüstenwind«, »Lieber Leo«. Meine Augen tasten sich durchs Bücherregal, sie suchen nach einem weniger tötelnden Bissen Literatur, der als Appetizer geeigneter ist.

Hugo Loetscher, »Die Fliege und die Suppe«. Eine der Geschichten heißt »Stilleben mit Haar- und Federwild«: »Ein Hase, hingeworfen, auf dem Rücken, etwas zur Seite abgedreht, langgestreckt der Körper, der sich zu winden scheint und der im Sich-Winden erstarrte. [...] weit offen die Nasenlöcher; sie gieren nach einer Luft, die sie nicht mehr benötigen. In der vordersten Bildebene der ausgehauchte Mund. Neben dem Hasen ein Fasan.«

Hm.