Ich traf Mirza in dem Internetcafé bei mir um die Ecke. Er lehnte am Tresen hinter dem Ahmed, der Besitzer des Cafés, tagein und tagaus an seinem Computer sitzt, Tee schlürft, Zigaretten raucht und zu gegebenen Zeiten isst.

"Das ist mein Freund Mirza!", sagte Ahmed. Mirza kam auf mich zu und schüttelte meine Hand. Sein Gesicht hielt er dabei ganz dicht an dem meinen. Er hatte schwarze Augen. Sie brannten. "Hallo, ich bin Mirza, wie gehts?" "Danke, gut!" Ich hatte einen geschäftig, freundlichen Ton gewählt. Mir war nicht nach Reden zumute. Ich wollte schnell eine Leitung haben, um meine elektronische Post abzuholen. Dann wollte ich weg, zurück ins Hotelzimmer. Es war schon spät. Ich war müde vom Tag. Aber alle Leitungen waren besetzt.

Ahmed bot mir den unvermeidlichen Tee an. Ich setzte mich auf einen Barhocker. Mirza stand dicht neben mir. Er war sehr schlank und doch wirkte er kräftig wie eine gespannte Feder. An seinem Gürtel hing prominent ein Mobiltelefon.

"Mirza", sagte Ahmed, "arbeitet bei der amerikanischen Botschaft!" Dann lachte er. Vielleicht kam es ihm komisch vor, dass ein Pakistani Amerikaner beschützte. Vielleicht war es auch das übliche Lachen Mirzas, denn er lachte ja fast nach jedem Satz, den er aussprach. Selbst wenn er Dinge sagte wie: "Schönes Wetter heute?!", lachte er. Das war mir lieb, wenn es mich auch verunsicherte. Denn wann war Lachen Lachen und wann war es nicht Lachen?

"Oh, bei der amerikanischen Botschaft?!", sagte ich. Mirza streckte sich ein wenig, sein schmaler Körper wirkte dabei noch gespannter als er ohnehin schon war. "Schwierige Zeiten für dich, Mirza. Nicht wahr?" "Ach, dafür sind wir ausgebildet!" antwortete er lässig. Ich konnte mir vorstellen, worin seine Arbeit bestand. Die amerikanische Botschaft in Islamabad hatte gewaltigen Ausmaße. Das gesamte, weite Areal war von einer hohen, stacheldrahtbewehrten Mauer umgeben. Die Botschaft sah aus wie eine Kaserne in der gut und gerne ein ganzes Regiment US-Marines Platz finden dürfte, ein militärischer Vor- und Horchposten in dem viele Fäden zusammenliefen.

Rund um die Botschaft waren pakistanische Polizisten postiert. Sie standen an den Straßenecken, wachten in kleinen Hütten, sie lagerten im Gebüsch, sie saßen auf Sesseln im Schatten der Bäume, sie hockten auf Bänken unter Zeltplanen - sie waren überall wie die Belagerer einer Festung. Mirza war einer von ihnen.

Er musste alle Autos abweisen, die entlang der Botschaft fahren wollten. Darin bestand im Wesentlichen seine Aufgabe. Ein langweilige Tätigkeit. Er sagte das nicht, aber ich wusste es.