Entwicklungspolitik "Der Hunger wird noch wachsen"
Die Entwicklungsländer vernachlässigen ihre Ärmsten. Ein Gespräch mit dem Agrarforscher Per Pinstrup-Andersen
DIE ZEIT: Bedauern Sie, dass der Welternährungsgipfel abgesagt worden ist?
Per Pinstrup-Andersen: Ja. Gerade jetzt wäre ein solches Treffen hilfreich gewesen, um die Anstrengungen gegen den internationalen Terrorismus zu bündeln. Gerade jetzt bräuchten wir eine Initiative, um die Menschen von Armut und Hunger zu befreien. Ich nenne das die Parallelkampagne gegen den Terror. Der Welternährungsgipfel wäre die beste Gelegenheit dafür gewesen.
ZEIT: Warum sind die Fortschritte beim Kampf gegen den Hunger bisher so langsam?
Pinstrup-Andersen: Weil die Regierungen vieler Entwicklungsländer der Ausrottung von Hunger und Unterernährung nur eine geringe Priorität beimessen. Schauen Sie sich doch die Zahlen an. Mehr als die Hälfte aller Länder, die 1996 in Rom beim vergangenen Welternährungsgipfel dabei waren, haben heute mehr Unterernährte als damals. Hätte China nicht so große Erfolge vorzuweisen, gäbe es heute sogar weltweit mehr Hungrige als vor fünf Jahren.
ZEIT: Warum missachten so viele Regierungen die Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerung?
Pinstrup-Andersen: Viele Entwicklungsländer stehen unter finanziellem Druck und müssen ihre Staatsausgaben reduzieren. Das gelingt ihnen relativ einfach bei den Ausgaben für Erziehung, Bildung, Forschung und ländliche Entwicklung. Sämtliche dieser Posten sind zwar extrem wichtig, um den Hunger und die Ernährungsunsicherheit loszuwerden. Aber es vergeht auch viel Zeit, bis die Erfolge solcher Investitionen sichtbar werden, oft zehn Jahre. Deshalb neigen viele Regierungen dazu, gerade diese Ausgaben zu kappen - bis die Erfolge sichtbar geworden sind, wären sie wahrscheinlich ohnehin nicht mehr im Amt.
ZEIT: Sie geben den Entwicklungsländern die ganze Schuld?
Pinstrup-Andersen: Nein, auch die reichen Länder machen Fehler. Wir müssen unsere Agrarmärkte öffnen. Und wir müssen unsere Entwicklungshilfe endlich auf die Hungerbekämpfung fokussieren.
- Datum 23.01.2008 - 11:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 45/2001
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