Ein schwarzer Politiker vor Gericht, feines Tuch, Seidenschlips, verächtliches Grinsen. Typisch Afrika! Da sieht man's wieder! Rufen jene weißen Südafrikaner, die Bestechlichkeit für eine exklusive Eigenschaft ihrer schwarzen Landsleute halten. Das Problem ist nur, dass die gängige Charakterlehre nicht immer und nicht auf jeden zutrifft. In diesem Falle heißt das: Neben dem mutmaßlich geschmierten Tony Yengeni, einem prominenten Abgeordneten der Regierungspartei ANC, wurde auch ein weißer Manager vor das Sondergericht für Wirtschaftskriminalität in Pretoria zitiert. Er kommt aus Deutschland, heißt Michael Wörfel und war bis Juli Chef der südafrikanischen Niederlassung der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS).

Wörfel wurde gegen die Hinterlegung einer Kaution von umgerechnet 2500 Mark vorläufig entlassen. Im Januar 2002 muss er zusammen mit Yengeni wieder vor Gericht erscheinen. Die Anklage in beiden Fällen: Betrug.

Die Verbindung der zwei Männer hat eine längere Vorgeschichte. Eine Tochtergesellschaft des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS ist beteiligt am größten Rüstungsgeschäft, das in der Geschichte Südafrikas abgeschlossen wurde, und dabei soll es nicht ganz sauber zugegangen sein.

Jedenfalls kann oder will die Regierung nicht erklären, was es mit der Liste jener 33 Politiker, Staatsbeamten und Offiziere auf sich hat, die mit dem Milliarden-Deal direkt oder indirekt zu tun hatten und zu erstaunlich günstigen Konditionen in den Besitz von Luxusautos gekommen sind. Joe Modise, der ehemalige Verteidigungsminister, ist unter ihnen, Vanan Pillay, Exdirektor im Handelsministerium, Siphiwe Nyanda, Generalstabschef der Streitkräfte, und ebenjener Tony Yengeni, der zufällig Vorsitzender des Wehrausschusses im Parlament war, als über das Waffengeschäft verhandelt wurde. Er soll über die EADS einen schicken Geländewagen zum Freundschaftspreis - fast 50 Prozent Rabatt - erhalten haben.

Auf der Wunschliste der Militärs standen Jagdflugzeuge und Kampfhubschrauber, U-Boote und Kriegsschiffe. Es hatte mehrere Anbieter gegeben und, wie es heißt, günstigere Angebote. Den Zuschlag aber erhielten schwedische, britische und italienische Konzerne. Zwei deutsche Konsortien, an denen unter anderem Ferrostahl und Thyssen beteiligt sind, liefern drei U-Boote vom Typ U 209 und vier Meko-A-200-Korvetten. Ein Subkontraktor, bei dem die EADS 33 Prozent hält, stattet die Kriegsschiffe mit modernen Radaranlagen aus.

Gegengeschäfte als Rechtfertigung Seit dem Vertragsabschluss im Jahre 1998 wollen die Vorwürfe der Misswirtschaft und Korruption nicht mehr abreißen. Im Gegenteil: Durch obskure Manöver der Regierung erhalten sie immer wieder neue Nahrung.

Präsident Thabo Mbeki sorgte zum Beispiel höchstpersönlich dafür, dass dem Richter Willem Heath - er leitete die Sonderkommission zur Korruptionsbekämpfung - die Untersuchung der dubiosen Vorgänge entzogen wurde. Der ANC-Abgeordnete Andrew Feinstein musste als Vorsitzender des Haushaltsausschusses ebensfalls seinen Hut nehmen auch er wollte die Transaktionen genauer prüfen.