D ie Western Flyer dümpelt im grünen Pazifikwasser vor der kalifornischen Küste in der Mittagssonne und der Meeresbiologe Jim Barry kaut auf der Kommandobrücke angespannt an seinem Bleistift. Sein Blick wandert zwischen vier Monitoren hin und her, die einen Blick in die Tiefsee eröffnen; sie zeigen Bilder vom Meeresboden, der 3600 Meter unter dem Kiel liegt.

Anfang Juni dieses Jahres hatte der Forscher vom Monterey Bay Aquarium Research Institute mit einem hilfreichen Roboter unter Wasser etliche Käfige installiert, in die er je 25 Liter flüssiges Kohlendioxid einlaufen ließ. Das Treibhausgas, das unterhalb der 3000-Meter-Marke schwerer als Seewasser ist, erstarrte in einer brüchigen Eishaut und begann langsam abzuschmelzen. Das sich mit dem CO2 vermengende Wasser umspülte seither gefangene Versuchstiere. Die an Raupen erinnernden Seegurken neben dem Mini-Eisberg, sieht Barry in der Übertragung, schaukeln inzwischen tot in der leichten Strömung; nur die weiter Entfernten wühlen zwischen Seeigeln durch den grauen Sand.

Während die internationale Klimapolitik derzeit in Marrakesch wieder einmal um Vertragsklauseln zur weltweiten Begrenzung des CO2-Ausstoßes feilscht, testet Jim Barry, ob wir vielleicht eines Tages Millionen Tonnen Kohlendioxid in ein kühles Tiefseegrab versenken können. "Ich hoffe, das wird nicht nötig sein", sagt Barry nachdenklich. "Aber wir brauchen Lösungen gegen die Erderwärmung." Das CO2 direkt auf den Ozeangrund zu schleusen erspart den Umweg über die geplagte Atmosphäre. Die trägt unterdessen schwer an der menschengemachten Last. Rund sieben Milliarden Tonnen Kohlendioxid bläst der Mensch alljährlich aus Kraftwerkschloten und Auspuffen in die Luft. Das Gas fördert den globalen Temperaturanstieg. Verfeuert der Mensch weiter Kohle und Öl, so schätzt das internationale Klimaforschergremium der Uno, verdoppelt sich der CO2-Gehalt der Luft bis zum Ende des Jahrhunderts; die Temperatur soll um bis zu sechs Grad ansteigen.

Barrys Kollege Peter Brewer, der vor drei Jahren selbst im Pazifik die ersten Experimente mit flüssigem Kohlendioxid in der Tiefsee durchführte, hält die CO2-Fixierung am Meeresboden deshalb für einen unserer wenigen möglichen Rettungsanker. "Selbst wenn wir heute Emissionen senken und alternative Energieträger einsetzen, steigt der Kohlendioxidgehalt weiter an. Die Meere könnten das womöglich mildern, ohne die CO2-Konzentration im Wasser wesentlich zu erhöhen." Schiffe und Pipelines würden das verflüssigte Gas in der Tiefsee verklappen. Möglich wäre auch, gefrorenes Kohlendioxid als Trockeneis von Schiffen aus direkt ins Meer zu kippen.

Doch die Technik steckt noch in den Kinderschuhen; was es kosten würde, Milliarden Tonnen CO2 ins Meer zu pumpen, ist nicht abzuschätzen. Auch über die Folgen für die Umwelt gewinnen die Forscher erst allmählich Klarheit. "Tiefseeorganismen reagieren auf den durch CO2 ansteigenden Säuregehalt weit sensibler als Fische der oberen Meeresregionen", stellt Barry mit Blick auf sein jüngstes Experiment fest. "In welchem Ausmaß jedoch, das müssen wir erst herausfinden."

Mikroalgen sollen CO2 einfangen

Die Deponie mag uns des Treibhauses entledigen; aber sie hält nicht ewig. Eines Tages befördern die sich umwälzenden Ozeane den Klimakiller aus dem nasskalten Gefängnis zurück ans Tageslicht. Fragt sich nur, wann. In der Tiefsee lasten die oberen Wasserschichten wie ein Deckel auf dem Treibhausgas. Neue Strömungsmodelle sagen voraus, dass der Ozean unterhalb von 3000 Metern nahezu alles Kohlendioxid speichert - zumindest für die nächsten Jahrhunderte.