Einen krummen, fein bemoosten Ast, ein Stück Liane und zwei Stecken. Ein recht rustikales Objekt, geradewegs aus dem Unterholz des Regenwalds. Etwas unhandlich vielleicht, dafür aber gratis. Malalá, einer unserer Führer unter den Aka-Pygmäen, hat den Prügel über dem Feuer zu einem großen U gebogen. Du musst nur noch die Liane durch die Kerbe hier oben ziehen und straff um den anderen Schenkel wickeln, fertig ist der Mbèta. Der Mundbogen - eines der vermutlich ältesten Musikinstrumente der Menschheit.

Seine zarten, sphärischen Klänge würden selbst die Geister bezirzen, hat Malalá uns erklärt. Zu dumm, dass er jetzt nicht hier ist - denn wenn ich es versuche, nehmen die Geister sofort Reißaus. Mit Malalá dagegen war es tatsächlich ein magischer Moment, als er auf einem Dschungelpfad, von Schmetterlingen umgaukelt, den Bogen in den Arm und die Liane zwischen die Lippen nahm. Das weiche Stöckchen dient als Schlegel, das andere reguliert die Tonhöhe. Wie bei einer Maultrommel wirkt der Gaumen als Resonanzraum, aus dem dann ein Schwarm von Obertönen hervorströmt.

Der Mbèla wird im Wald gefertigt, im Wald gespielt und im Wald zurückgelassen. Er ist mehr als nur ein Musikinstrument. Die andere Hälfte nämlich, gewissermaßen die Basisstation, bildet die Falle, die Malalá an Ort und Stelle aus genau den gleichen Bestandteilen fabriziert hat. Ein geschmeidiger Ast, eine Lianenschlinge sowie zwei Stöckchen, die sie am Boden halten, bis eine unvorsichtige Antilope hindurchgeht und der Ast hochschnellt. Freilich nur dann, wenn den Geistern das Ständchen zuvor auch gefallen hat. Nicht von ungefähr erinnert der Mundbogen an eine Leier - Malalá als schwarzer Orpheus, der die Tiere ins Verderben lockt. Auch der Jagdbogen hat bei den Pygmäen sein Pendant in einem Musikinstrument, das zur Beschwörung vor der Pirsch gespielt wird, wobei der Pfeil als Schlegel dient.

Jagd und Musik, Magie und Kunst entstammen hier dem gleichen Ursprung. Jetzt, wo du einen Mbèla hast, kannst du ja darüber grübeln, was wohl zuerst da war.