Hast du mal über Kinder nachgedacht?", fragt sie. Und er antwortet: "Ach Gott, Kinder. Ich muss jetzt erst einmal das Buch über O'Neill zu Ende bringen. Das wird nicht von allein fertig." Nachwuchsdiskussion in der Woody-Allen-Gesellschaft von Manhattan.

Die WDR-Redakteurin, Mutter einer Vierjährigen, sitzt ohne Handy im Auto. Das Auto steht auf der Autobahn Bonn-Köln im Stau. Es ist zehn vor fünf. Um fünf Uhr schließt der Kindergarten. Um fünf wird niemand da sein, um das Kind abzuholen. Panik.

Marias 69-jährige Mutter muss ins Krankenhaus. Maria und ihr Mann nehmen den pflegebedürftigen Vater zu sich; die jüngere Tochter räumt ihr Zimmer. Ungewohnte Enge, ungewohnte Nähe, normale (also nennenswerte) Anforderungen im Beruf, normal (also nur mäßig) verständnisvolle Kinder, Sorge um die kranke Mutter. Keine leichten Wochen.

Eva, 13, will zu einer Fete. Dort gibt es Übernachtungsmöglichkeiten, sagt sie. Die Eltern finden die Situation unübersichtlich und setzen ein Zeitlimit fürs Nachhausekommen. Geschrei und Türengeknalle das ganze Wochenende.

Das sind Familienprobleme. Gemeinsam ist diesen hier, dass sie mit Geld nicht zu lösen sind. Die erwachsenen Beteiligten (abgesehen vielleicht von den New Yorker Intellektuellen) könnten aber versucht sein, sich zu fragen, wie sie eigentlich in diese Lage geraten sind, diese Lage der Abhängigkeit, der Verantwortung, der Sorge, der Unfreiheit - während der Rest der Mitmenschen flexibel, frei, sorglos und freizeitorientiert vor sich hinzuleben scheint.

Krisen gehen vorüber, die Dinge gleiten zurück in eine vernünftige Perspektive: Karriere und Singletum machen nicht immer glücklich, Familie heißt nicht nur Stress und Verzicht. Totale Freiheit kann totale Bindungslosigkeit bedeuten; und Bindung, so ökonomistisch darf man es in diesen Zeiten gewiss ausdrücken, bringt ja, wenn alles gut geht, auch Rendite: Liebe. Geborgenheit. Einen privaten, vor den Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten der Welt geschützten Raum, in dem jede Menge pralles Leben stattfindet.

Die Single-Ästhetik dominiert