Nein, das Unternehmen habe nichts mit einer Eisenbahnfirma zu tun. "Wir schicken Ihr Geld auf die Reise, aber nicht Sie", entgegnet der junge Kassierer hinter der Panzerglasscheibe jedem, der ihn darauf anspricht. Und das sind viele. Er arbeitet für Western Union am Hamburger Hauptbahnhof und nimmt täglich Zehntausende Mark entgegen. Eingezahlt zumeist von Ausländern, die ihr Geld in Deutschland verdienen und es an ihre Familien in der Ferne schicken.

In Zeiten, in denen Brot und Milch mit der Kreditkarte bezahlt werden können, setzt Western Union auf Bargeld. Viele ihrer Kunden haben nämlich gar kein Konto - oder können es nicht nutzen. Sämtliche Geldsendungen werden bar eingezahlt. Das Geschäftsmodell des US-Unternehmens ist simpel und läuft weitgehend anonym ab: Geld einzahlen, Gebühr drauflegen, Empfänger informieren. Schon zehn Minuten später kann dieser das Geld bei einer anderen Western-Union-Agentur abholen - weltweit.

Nach den Attentaten in New York und Washington sowie den vermuteten Geldbewegungen der Terroristen ist Kritik an dem System laut geworden: Durch die anonymisierte Form des Geschäfts kann es auch von Leuten genutzt werden, die ihre Identität verheimlichen wollen, meint Baldur Lyske, Jurist bei der Norddeutschen Landesbank. Aber bei Western Union gelten die gleichen Bestimmungen wie bei Banken. Bareinzahlungen über 30 000 Mark müssen mit den Angaben des Einzahlers und des Empfängers gemeldet werden. Doch das kommt selten vor: Durchschnittlich werden pro Auftrag weniger als 1000 Mark überwiesen.

Western Union ist der Ansicht, dass ihr Service ein Segen für Tausende von Auswanderern ist. Von Kritik will das Unternehmen nichts wissen. Noch nicht einmal dazu Stellung nehmen. Sämtliche Western-Union-Mitarbeiter und Geschäftspartner sind angewiesen, keine Informationen herauszugeben. "Die Geschäftsführung ist höchst empfindlich", sagt ein PR-Berater des Unternehmens. "Verständlicherweise, wer will schon mit Terroristen in Verbindung gebracht werden?"

Doch schon vor dem 11. September ist das Unternehmen gelegentlich ins Gerede kommen. Kritiker meinen, Western Union nutze das Schicksal der Armen und Vertriebenen aus. Schließlich sind die Geldtransfers nicht kostenlos: Wer 100 Mark verschickt, muss 20 Mark bezahlen, bei 1000 Mark sind es 59 Mark. Ric Duques, Vorstandsvorsitzender der Mutterkonzerns First Data Corp., steht über jeglicher Kritik. Der Financial Times sagte er einmal: "Es ist mir egal, wenn Western Union - theoretischerweise - Geld damit verdient, die Armen auszunutzen. Ich sage das, weil es die schnellste, sicherste und effektivste Möglichkeit ist, Geld zu verschicken."

In der Tat expandiert Western Union dort am stärksten, wo Elend oder Armut zu Hause sind. Afrika ist einer ihrer wichtigsten Märkte. In diesem Jahr hat das Unternehmen Kooperationen mit der chinesischen und der indischen Post abgeschlossen. Auch das ehemalige Jugoslawien soll besser bedient werden, 300 neue Agenturen sind bis Ende des Jahres geplant. Das Unternehmen wendet sich stets an Emigranten, denen es gelingt, in einer besseren Welt Fuß zu fassen, und die den Daheimgebliebenen Geld senden.

"Meine Eltern leben im Senegal. Ab und zu schicke ich ihnen etwas Geld. Sie haben doch viel weniger als ich", erzählt eine Afrikanerin. Sie ist seit zwei Jahren in Deutschland - und hält sich mit "Gelegenheitsarbeiten" über Wasser.