Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hat keine Skrupel, seinem Volk zu schaden. Noch immer verhindert er eine wirksame Aids-Bekämpfung und behauptet, das Medikament Nevirapin sei für die Anwendung zu giftig. Dabei könnte dieses Mittel bei rund der Hälfte aller Neugeborenen eine Infektion mit HIV verhindern - wenn man es kurz vor der Geburt der infizierten Mutter gäbe. Viele Studien belegen Wirkung und Sicherheit der Therapie.

Südafrikanische Wissenschaftler haben dies sogar mit eigenen Untersuchungen bestätigt

auch die Zulassungsbehörde für Medikamente hielt den Nutzen für gesichert und erteilte die Genehmigung. Aber ohne Geld vom Gesundheitsministerium blieb die Zulassung auch ohne Folgen.

Dann behauptete die Regierung plötzlich, der hohe Preis verhindere die flächendeckende Abgabe der Medikamente. Erst müsse man die Präparate selber produzieren können. Deshalb verklagten Aktivisten der Treatment Action Campaign (TAC) die Pharmakonzerne, die den Import und die Herstellung preiswerter Nachahmerpräparate verhindern wollten. TAC bekam Recht, die Konzerne senkten ihre Preise massiv. Nun hätten viele Babys vor HIV geschützt werden können.

Doch das Gesundheitsministerium mauert weiter. Es will jetzt erst einmal prüfen, wie sich die entsprechende Infrastruktur installieren lässt.

Schließlich muss man die Mütter testen, die Medikamente verteilen und nach der Geburt für Milchpulver sorgen - sonst infizieren sich die Kinder beim Stillen. Ein Pilotprojekt läuft in den neun Provinzen an. Der Zufall entscheidet, ob ein Neugeborenes das Glück hat, in einer Projektklinik zur Welt zu kommen - mit höheren Überlebenschancen. In der regierungskritischen Kap-Provinz hingegen erhalten schon fast alle HIV-positiven Schwangeren das Präparat. Es geht also.

Den TAC-Aktivisten platzte der Kragen. Letzte Woche verklagten sie die Regierung. Ihre Forderung: Nevirapin muss an allen Kliniken verfügbar sein.