Er könnte der Mann von nebenan sein, nett und zupackend. Eine kleine Auffälligkeit leistet sich der Unauffällige nur: ein schmales, langes Schnurrbärtchen. Vielleicht würde man von diesem Mann die Kettensäge ausleihen. Sicherlich hat er solches Handwerkszeug, denkt man sich, und den Garten und das Haus gut in Schuss. Aber nein, er ist nicht der freundliche Nachbar im karierten Hemd, der mit einer Bierflasche in der Hand am Gartenzaun steht, bereit zu einem Ratsch. Dafür hat er keine Zeit. Denn er ist der Rodler des Jahrhunderts, rackert und schindet sich auch im Sommer so, dass sein Trainer Sepp Lenz ihn schon als etwas verrückt bezeichnete.

Er experimentiert und tüftelt an immer neuen Flitzern, um herauszufinden, was man mit einem Schlitten alles machen kann. Man kann viel. Dreimal hintereinander olympisches Gold gewinnen zum Beispiel. Oder auch, wie der Schorsch sagt, die Wahrheit auf der Rodelbahn suchen.

Herlinde Koelbl ist Porträtfotografin. Zuletzt erschien von ihr das Buch zu ihrem Fernsehfilm Die Meute