Jürgen Falter ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Mainz mit den Schwerpunkten Politische Systeme und Innenpolitik. Einen Teil seiner Freizeit verbringt er in Fernsehstudios - zum Beispiel bei "Sabine Christiansen" - als Experte für Links- wie Rechtsextremismus, Wahl- und Einstellungsforschung.

Parteien, Wahlen, Extremismus: Das sind die Gebiete, zu denen ich mich ausschließlich äußere. Manchmal kommen hinsichtlich meines Fachgebiets ganz abseitige Anfragen von Journalisten, die sage ich alle ab. Zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan etwa sage ich nichts, weil ich da kein Experte bin.

Zum ersten Mal hatte mich Anfang der siebziger Jahre der Saarländische Rundfunk um Stellungnahmen gebeten. Diese Verbindung bestand etliche Jahre, sodass ich eine frühe Routine im Umgang mit dem Medium Hörfunk entwickelte.

Gelegentlich kam das Fernsehen dazu. Erst als ich 1993 einmal vom heute journal eingeladen wurde, meldete sich das Fernsehen häufiger. So richtig beschleunigt wurde das Ganze, als ich 1998 das erste Mal bei Sabine Christiansen war. Das hat sozusagen die Büchse der Pandora geöffnet.

Inzwischen war ich bestimmt zehnmal in ihrer Sendung. Ich kann knapp reden, frage immer vorher, wie viel Zeit ich habe. Nur wenn der Deutschlandfunk anruft und sagt: Wir haben 12 oder 15 Minuten, dann hole ich weiter aus. Es ist aber auch wichtig, dass man eine sinnvolle Information in 40 Sekunden geben kann. Das habe ich mir nicht extra antrainieren müssen, ich drücke mich auch in meinen Vorlesungen am liebsten knapp und präzise aus.

Es ist auch schon vorgekommen, dass ich einen Interviewtermin verschwitzt habe: Das Telefon klingelt mich frühmorgens aus dem Schlaf, ich greife nach dem Hörer und bin mitten in einer Live-Sendung. Auch das habe ich geschafft, habe es dann gerade so durchgehalten, ohne dass jemand etwas gemerkt hat, bevor ich erschöpft wieder in die Kissen gefallen bin. Ich habe auch schon aus dem gleichen Grund ein Interview aus der Badewanne gegeben. Das geht, wenn man die Sachen parat hat und nicht zu viel plätschert. Wenn es um komplexe Themen geht, skizziere ich mir den Gang der Argumentation vor, handschriftlich mit einigen Stichpunkten, und versuche, die Sachen, die mir wichtig sind, unterzubringen.

Das Ganze macht Spaß, und außerdem wird es ja auch bezahlt es ist ein schönes Taschengeld, von dem ich mir ab und zu eine bessere Flasche Wein kaufen kann. Wichtiger noch: Ich lerne Politiker und Journalisten kennen, die ich sonst nie treffen würde. Natürlich gibt es auch Kollegen, die zwischen Neid und Belächeln schwanken. Aber da ich ein umfangreiches wissenschaftliches Werk vorzuweisen habe, weiterhin auch seriös wissenschaftlich publiziere und in meinem Fach anerkannt bin, kann ich das leicht verschmerzen. Gerade bin ich in die hiesige Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden, auch das spricht dagegen, dass sich das allzu negativ auswirkt.