Was für ein Wortschwall, welcher Klang: Wenn Emma Bonino ein Markenzeichen hat, dann ist es ihre raue Altstimme mit den Stakkato-Sätzen.

Eine schier endlose Arie, wenn das Telefon klingelt, sprudelt sie weiter, die Zigarette im Mund: Pronto. Sì. Subito. Ciao!

Seit knapp zwei Jahren sitzt die ehemalige Brüsseler Kommissarin als Abgeordnete im EU-Parlament. Seitdem ist es um die temperamentvolle 53-Jährige etwas stiller geworden. Aber die Italienerin ackert und agitiert wie eh und je: gegen Flüchtlingselend und Landminen. Für Frauenrechte. Und seit Jahr und Tag gegen die afghanischen Taliban. Die Intervention der USA unterstützt sie: Will man denn diesem Herrn bin Laden signalisieren, er könne auch noch Paris, Mailand oder Berlin angreifen? Viel früher hätte etwas geschehen müssen. Wäre es nach ihr gegangen.

Schon 1997 war Bonino, damals noch Kommissarin, in Begleitung von Rot-Kreuz-Mitarbeitern nach Afghanistan gereist, um Hilfsprojekte der EU zu inspizieren. Zu der Delegation gehörte ein Fernsehteam, das angeblich ohne Genehmigung in einem Frauenkrankenhaus filmte. Prompt setzten die Taliban die Besucher fest. Emma Bonino nahmen sie für Stunden als politische Geisel.

Verrückt, unberechenbar, wahrscheinlich voll gestopft mit Drogen, erzählt sie, hätten die grimmigen Milizen mit ihren Kalaschnikows herumgefuchtelt.

Kaum in Brüssel gelandet, verschickte sie ein Rundschreiben an die 15 EU-Regierungen: Europa müsse sich einmischen, auch über humanitäre Hilfe hinaus.

Die politische Reaktion: Gleich null