Schon vor dem 11. September machte es wenig Freude, Bundeswehrsoldat zu sein. Die Wartungsmannschaft des veralteten Spähpanzers Luchs musste ein Drittel ihrer Zeit nur für die Rostbekämpfung aufwenden. Fregattenkommandeure konnten das Pech haben, ausgerechnet ein Schiff ohne digitale Telefonanlage zu erwischen, was hieß, die E-Mails mit den aktuellen Befehlen per Schlauchboot von befreundeten Schiffen abholen zu müssen. Und wer einen Phantom-Jet flog, musste bei Nato-Übungen immer den Bösen spielen, denn diese Jets verfügen über kein Freund-Feind-Erkennungssystem.

Im August verlangte die Wehrbereichsverwaltung VI dann angesichts der knappen Haushaltsmittel von den Soldaten, Verbrauchsmaterial einzusparen

dazu zählen auch Putzmittel und Toilettenpapier.

Bevor diese Anweisung ihre volle Wirkung entfalten konnte, kam der 11.

September. Der Wehretat wurde erhöht, aber die Nerven der Soldaten sind noch angespannter als vorher. Der Ernstfall ist da, auf einmal traut man ihnen alles zu. Nicht nur den 3900, die mit dem besten Gerät, das die Sparmaßnahmen überstanden hat, die USA im Kampf gegen den Terrorismus unterstützen, sondern auch denen, die mit den rostigen Luchsen zu Hause bleiben.

Zwar gibt es psychologische Hilfe. Jeder Soldat, der auf einen Auslandseinsatz geschickt wird, durchläuft eine vier- bis sechswöchige Zusatzausbildung, die neben Freund-Feind-Rollenspielen auch eine psychologische Schulung zum richtigen Verhalten in der richtigen Lage beinhaltet.

Aber so etwas wirkt nur gewisse Zeit. Eine Studie der Bundeswehr berichtet von einem Praxisschock bei Kfor-Soldaten im Kosovo: wenn sie sechs Tage die Woche zwölf bis vierzehn Stunden unterwegs sind, nie allein, rund um die Uhr immer mit denselben Kameraden zusammen, bei einem halben Tag Ausgang pro Woche, aber auch das nie allein, nicht einmal mit einem Psychologen, sondern stets mit einem Vorgesetzten. Und statt dankbar zu sein, weil man verhindert, dass ihre Väter sich gegenseitig abknallen, beschmeißen einen die Kinder auf der Straße mit Steinen. Viele stellen sich die Sinnfrage oder resignieren, so wie es mancher, der sich im grauen Alltag bei Heer, Luftwaffe oder Marine herumärgert, längst getan hat.