Viktorianische Prüderie ist in Großbritannien nicht mehr angesagt. Mehr Sex bitte, wir sind Briten!, titelt der sonst so distinguierte Nachrichtendienst Reuters Health sogar. Nachzulesen sind die entsprechenden Daten im medizinischen Fachblatt The Lancet. Dort erschien gerade der umfassendste Report über das Paarungsverhalten geschlechtsreifer Inselbewohner. Das Fazit: In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Volk der "steifen Oberlippe" zu einem freizügigen Sexualleben aufgeschwungen. Man spricht offener darüber, hat mehr Partner - gleich- und gegengeschlechtliche - und zahlt häufiger denn je dafür. Die Briten hatten im Schnitt einmal pro Woche Sex mit ihrem Partner, den sie häufiger als zuvor wechselten, die Männer angeblich im Schnitt vier-, die Frauen zweimal. Dabei benutzten sie öfter Kondome. Das freut die Experten zwar, aber es konnte nicht verhindern, dass sich mit dem munteren Treiben auch die Rate der Geschlechtskrankheiten im Lande verdoppelt hat.

Der Trend zu mehr Sex beschert nicht nur den besorgten Fachärzten für Geschlechtskrankheiten Kopfschmerzen, sondern auch einigen nachtaktiven Briten. In Großbritannien, aber auch hierzulande, leidet nämlich rund ein Prozent der Bevölkerung unter einem tückischen Lustphänomen: Mitten im Akt erleben die Opfer nicht nur den Höhepunkt, sondern einen ebenso explosiven Schmerz im Kopf. Männer rührt der orgastische Donnerschlag drei- bis viermal häufiger als Frauen. Ein Viertel der Geplagten erlebt mit zunehmender Erregung einen dumpfen Schmerz im Nacken. Die Erklärungen für diese Erscheinung sind dürftig, in den meisten Fällen aber ist die Nebenwirkung der großen Aufregung harmlos.

1000 Milligramm der guten alte Droge Aspirin, eine Stunde vor dem Verkehr eingenommen, können das Ärgste verhindern. Trendbewusste Briten packen jetzt zusätzlich zu Viagra und Kondom auch noch eine Kopfschmerzpille in den Beischlafutensilienkoffer. Es gibt aber auch einen chemiefreien Anti-Kopfschmerz-Tipp: Stefan Evers, Neurologe von der Universität Münster, rät zum Kuschelsex. Die Betroffenen sollten Quickies und heftige Aktivitäten im Bett meiden und sich stattdessen gemächlich zum Höhepunkt vorarbeiten.