Das Wichtigste vergessen Unternehmen leider immer in ihren Stellenanzeigen: den Chef. Wie viel leichter fiele einem Bewerber die Entscheidung, wenn im Unternehmensprofil Zusätze stünden wie: "Ihr zukünftiger Abteilungsleiter ist chronisch unzufrieden und bespricht wesentliche Details nur mit seinem Kaktus." Auch die eigenen Aufstiegsmöglichkeiten könnte man besser einschätzen, wenn man wüsste: "Sie werden mit einem inkompetenten Despoten Projekte ausarbeiten, von denen Ihre Zukunft abhängt", oder "Chef liebt Betriebsausflüge in Überlebenscamps. Protegiert Frauen, die, ohne ausfallend zu werden, eine Raupe essen." Leider ist es ohne solche detaillierten Angaben so wahrscheinlich wie ein Hauptgewinn in der Tombola, an einen guten Chef zu geraten. Ein Übermaß an Nieten muss Margit Schönberger zu dem Buchtitel inspiriert haben: Mein Chef ist ein Arschloch, Ihrer auch? Ein Überlebenstraining. Was genau unter Arschlöchern zu verstehen ist, differenziert sie zum Glück: Blender, Feiglinge, Inkompetente zum Beipiel, Neurotiker, Machtmenschen, Bedenkenträger. Die Autorin geht den psychischen Handlungsmotiven derart mieser Vorgesetzter auf den Grund. Demnach tragen schlechte Chefs alle ein "tief verborgenes Geheimnis mit sich herum: Sie haben Angst!" Da diese Erkenntnis zwar Mitleid erregt, den Mitarbeitern aber nicht wirklich weiterhilft, gibt sie Tipps, wie man mit den einzelnen Cheftypen umgehen sollte - um die eigene Position zu verbessern oder wenigstens im Arbeitsalltag klarzukommen. Nicht glauben, nicht hoffen, den Chef nicht lieben, lauten etwa drei ihrer zehn Gebote. Dem geplagten Angestellten rät sie außerdem zur Selbstanalyse: um das Verhältnis zum Chef besser einschätzen zu können und weil es zwar einfach ist, "seinen Chef als Arschloch zu empfinden, aber schon bei weitem schwieriger, nicht automatisch auch eines zu werden, wenn man die Gelegenheit dazu bekommt".

* Margit Schönberger:

Mein Chef ist ein Arschloch, Ihrer auch?

Ein Überlebenstraining

Mosaik Verlag, München 2001

160 S., 24,90 DM