Studiengebühren für Langzeitstudenten sind "Strafgebühren ohne Sinn und Zweck". Diese Beurteilung von Detlef Müller-Böling - referiert in der ZEIT Nr. 48 vom 22. November 2001 - findet meine uneingeschränkte Zustimmung. Die Befürworter von Langzeitgebühren werben damit, den "Trödlern Beine zu machen". Tatsächlich jedoch spricht für Langzeitgebühren nur der Effekt, dass sie zu einer Exmatrikulation von "Scheinstudenten" führen. Auch ich kann daher nicht nachvollziehen, warum Länder wie das Saarland oder Niedersachsen sich anschicken, dem Beispiel von Baden-Württemberg zu folgen und solche Gebühren einzuführen.

Problematisch aber sind die Aussagen von Müller-Böling zum Studienkonten-Modell, das in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen eingeführt wird. Er behauptet nämlich, die Grundidee sei überall die gleiche.

Weit gefehlt! Die Idee des Studienkonten-Modells beruht nicht auf Gebühren.

Es ist vielmehr ein Guthaben, das Anreize setzt.

Denn jedem Studenten wird ein Studienkonto zur Verfügung gestellt, das ein gebührenfreies Studium, je nach individueller Lebensplanung bis zur zweifachen Regelstudienzeit, ermöglicht, ohne dass der Einzelne einen einzigen Euro in die "Gebührenkasse" zu entrichten hätte. Erst danach erheben die Hochschulen für ihre Leistungen Gebühren. Wenn die Studenten ihr Studium aber zielstrebig durchlaufen und früher beenden, zahlt sich das aus. Damit verbleibt ein Studienkonto, das nicht durch das Erststudium leer geräumt wurde, sondern Guthaben für Weiterbildung oder ein Zweitstudium aufweist.

Das Modell bietet kräftige Anreize

- für die Studenten, ihr Studium zügig zu absolvieren, sich für neue Bachelor- und Masterstudiengänge sowie für Fachhochschulstudiengänge zu entscheiden. Gleichzeitig wird damit das Ziel verfolgt, Studenten nach einer Phase der Berufstätigkeit zur Rückkehr an die Hochschule zu bewegen, um sich weiterzubilden.