die zeit: In Ihrer Studie über die Erfolgsfaktoren mittelständischer Autozulieferer gehen Sie davon aus, dass die Markenanbieter immer stärker aus der Produktion ihrer Fahrzeuge aussteigen und diese den Lieferanten überlassen werden. Warum?

Ferdinand Dudenhöffer: Viele Komponenten, vor allem elektronische, werden so kompliziert, dass ein einzelner Hersteller damit überfordert wäre, alles alleine zu entwickeln und zu bauen. Auch bei der Finanzierung komplexer Innovationen stoßen sie bald an ihre Grenzen. Daher konzentrieren sich die Konzerne lieber auf die Regieführung bei der Entwicklung und Produktion, auf die Darstellung der Marke inklusive Design sowie auf Vertrieb und Dienstleistungen rund ums Auto.

zeit: Das rechnet sich für die Autokonzerne?

Dudenhöffer: Bei General Motors und Ford kommen heute schon über 30 Prozent des Gewinns aus Finanzdienstleistungen, bei DaimlerChrysler und Toyota sind es fast 20 Prozent. Und dieser Anteil soll überall gesteigert werden. Im VW-Konzern zum Beispiel von sieben Prozent auf rund ein Drittel. Die Finanztochter ist bereits die zweitgrößte Direktbank Deutschlands, bei der neuerdings jeder ein Girokonto eröffnen kann.

zeit: Die Industriemanager wollen wohl lieber Banker sein. Riskieren sie damit nicht, dass die Qualität der Autos auf der Strecke bleibt?

Dudenhöffer: Die Aufgabe der heutigen Hersteller ist es, künftig aus den besten Teilen ein optimales Fahrzeug zu bauen. Schon jetzt kommen die wahren Innovationen im Auto zu 90 Prozent von unbekannten Helden, den Zulieferern.

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