Ja, ohne Kind, da fehlt einem einfach was, sagt Herr L. So ein Satz ist nicht selbstverständlich - in einer Zeit, in der immer weniger Kinder geboren werden und die Gesellschaft tendenziell vergreist. Und doch gibt es eine wachsende Minderheit, die mit allen Mitteln um ein Baby kämpft. Mit künstlicher Befruchtung, einer so genannten intracycloplasmatischer Spermien-Injektion, plus einer oft langwierigen, seelisch belastenden Phase zwischen Kinderwunschsprechstunde und OP. Jetzt heißt es warten bis zum Test. Der fällt allzu oft negativ aus. Die Filmemacher Heiner Gatzemeier und Susanne Wieseler haben fünf Paare auf ihren Wegen zwischen Spermaraum und Kaffeepause vor der Insemination begleitet und eine Reportage aus der Grauzone zwischen Natur und Technik mitgebracht, die vor allem eins lehrt: wie vollständig sich die alte Scham rund ums Kindermachen angesichts steriler Pinzetten und Küretten und Petrischalen verflüchtigt hat. Freimütig, wenngleich nicht ohne innere Bewegung, berichten die ungewollt Kinderlosen von ihrer Erfahrung im Reich der Repromediziner

sie seufzen viel, sprechen aber auch gern Klartext: Mein Samen wird außerhalb aufbereitet (sagt Herr S.). Bei fünf Paaren verwechselt man schon mal den einen oder anderen Papa in spe oder auch die Frauen in Hoffnung auf Hoffnung - zumal sich das Filmemacher-Duo um ein Tempo bemüht, das der Stoff eigentlich nicht hergibt, eine Geschwindigkeit, die nur der Zeitgeist fordert. Denn der Subtext der Geschichte heißt: Wartenkönnen. Wie rar diese Kunst heutzutage ist, zeigt die Reihe indes höchst eindrucksvoll.

Wunschkinder läuft freitags im ZDF um 21.15 Uhr (Sechsteiler, 1. Sendung lief am 23.11.)