Es ist erschreckend, wie die Debatte über den Kriegseintritt Deutschlands in der deutschen Presse von einer existenziellen zu einer taktischen Frage um den Machterhalt heruntergespielt wird - auch in der ZEIT. Eine sachgerechte Behandlung der Probleme finde ich nur bei Rezzo Schlauch. Allerdings bleibt auch er loyal zum Kanzler, der für die Verschiebung des Schwerpunktes verantwortlich ist.

Soweit Erinnerungen an Hitler uns zum Eingreifen mahnen, sehe ich eher die Warnung, Bush in seinen Weltbeglückungsfantasien nicht zu folgen. Das Taliban-Regime ist sicher schrecklich, doch keine Macht, die die Welt in Brand setzt. Das kann jedoch durchaus geschehen, wo die überwältigende militärische Macht ausgespielt wird, um die Überlegenheit der westlichen Welt darzustellen. Die Zerstörung der Infrastruktur eines Landes trifft eben das Volk und nicht die Machthaber und Terroristen. Man darf deshalb nicht von "Kollateralschäden" des Kriegseinsatzes sprechen - bestenfalls kann es "Kollateralerfolge" gegen Terroristen geben. Die werden zu Märtyrern aufsteigen und zur Solidarisierung der Massen führen, die keineswegs immer deren Gefolgsleute sind.

Es geht nicht um ideologischen Pazifismus, wie die Warner abqualifiziert werden, sondern um nüchterne Einschätzung der Folgen dieses Krieges, für den - auch nach Bush - keine räumlichen und zeitlichen Grenzen zu erkennen sind.

Dietrich Römer Dannenberg-Tramm