Haste mal 'ne Mark?, fragt Fritz die Marie, doch die bedauert, sie könne ihr Portemonnaie nicht finden. Klassischer Fall von Schutzbehauptung: Eine Notlüge hilft die bittere Wahrheit (Fritz ist der Marie keine Mark wert) schlucken. Die Leipziger Schaubühne Lindenfels - gegründet als freies Theater, aber von jeher auch mutiges Kino, beliebte Festivalspielstätte, Konzertsaal, Tanzhaus, kurz: ein Flaggschiff der sächsischen "Basiskultur" - hat in den sieben Jahren ihres Bestehens die Stadtväter nie viel gekostet, wurde infolgedessen konsequent runtergehungert und ist nun so gut wie tot: Die Belegschaft hat ihre Kündigung, und am 31. Dezember müssen die Betreiber den Laden schließen, wollen sie sich, nachdem sie sich abgerackert haben, nicht noch verschulden. 1993 waren sie mit dem Konzept gestartet, 40 Prozent ihres Haushaltes selbst zu erwirtschaften, mittlerweile bringen sie es auf 79 Prozent (das Leipziger Schauspielhaus schafft zehn). Die Stadt müsste 390 000 Mark zum Etat 2002 beitragen, "kann" aber nur 253 900 Mark geben, obwohl sie die Schaubühne unbedingt erhalten "will". Auch das inakzeptable Angebot zählt zu den klassischen Schutzbehauptungen. Apropos, sagt Fritz (bürgerlich Friedrich Nietzsche) zur Marie: "Man läuft am meisten Gefahr, überfahren zu werden, wenn man eben einem Wagen ausgewichen ist."