Wir schreiben das Jahr 2099, und Terroristen haben einen schrecklichen Anschlag auf das ökonomische Herz einer westlichen Führungsmacht verübt. Mit ernster Miene tritt der Innenminister des befreundeten Landes Libertanien vor das Parlament und spricht: "Dieser Anschlag richtet sich gegen die gesamte freie Welt. Wir werden deshalb mit aller gebotenen Härte antworten. Ich plädiere dafür, dem Verfassungsschutz das Recht zu verleihen, Auskünfte bei Banken, Telefongesellschaften, Postämtern und Luftfahrtunternehmen einzuholen, Polizei und Geheimdienste ihre Informationen austauschen zu lassen und Pässe mit Fingerabdrücken zu versehen."

Die Abgeordneten applaudieren, und der Innenminister fährt fort: "Wir dürfen in unserem Abwehrkampf aber nicht die Verfassung opfern. Weil all diese Maßnahmen zwar notwendig sind, aber unsere Freiheit einschränken, müssen wir sie streng kontrollieren. Deshalb wird künftig ein Geheimdienstbeauftragter Einblick in die Datensammlung der Dienste nehmen

die Kontrollgremien des Parlaments werden ausreichend Mitarbeiter erhalten und die Gerichte jährlich über die von ihnen genehmigten Abhörmaßnahmen berichten. Außerdem werden diese Gesetze zunächst nur für eine Probezeit von fünf Jahren erlassen. Diese Punkte sind für mich nicht verhandelbar."

Leider schreiben wir das Jahr 2001 und befinden uns nicht in Libertanien. In diesen Tagen wird über das Sicherheitspaket abschließend beraten, und Innenminister Schily gibt keinen Anlass zur Hoffnung, dass er den zweiten Teil dieser Rede halten wird.