Danke für den hervorragenden Artikel. Schily dürfte wohl einer der intimsten Kenner der Psyche und des Geistes von Terroristen sein. Vermutlich kennt er deshalb nur einen Weg des Umgangs mit dem Phänomen: Verfolgung, Absicherung, Kontrolle. Sicherlich findet dadurch keine geistige Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit den Gründen und Ursachen statt, weder für ihn noch gesellschaftlich.

Dr. Hermann Hüsken Coesfelde

Egal, von welcher Seite ich die Medaille betrachte - es bleibt die Medaille.

Dann kann es auch keine biografischen Brüche geben.

Terroristen oder Freiheitskämpfer - diese Sichtweise ergibt sich vom Standpunkt des Betrachters aus. Die damaligen USA waren der "machtpolitische Terrorist", dem sich die RAF als "Freiheitskämpfer" gegen das von den "USA indoktrinierte imperialistische Herrschaftssystem" widersetzte. Schily verteidigte damals die Unterdrückten. Heute wähnt er das bundesrepublikanische Volk der Gefahr ausgesetzt, unterdrückt zu werden und ausgeliefert zu sein. Schily ist jedes Mal Verteidiger: gegen Terroristen und für die Unterdrückten. In jedem Fall bleibt sich Schily treu: Er nimmt Extrempositionen ein. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind fließend, Opfer können zu Tätern werden, und irgendwann werden Täter auch zu Opfern.

Jeder braucht seinen Verteidiger - und Schily verteidigt. Dass er sich in der Gefahr befindet, in seinem Beschützerwunsch das Volk zu "erdrücken", ist die Tragik desjenigen, der die Thematik "Täter - Opfer" im Extrem nicht ganz durchdrungen hat. Und: Wer mit 20 Jahren kein Idealist war, war nicht jung.

Wer über 40 noch Idealist ist, ist nicht erwachsen geworden. Wer mit 70 noch Extremist ist - dem fehlt die Weisheit des Alters. Wollen Sie Schily den Mangel an Weisheit vorwerfen? Lesen Sie Otto doch mal von hinten!