Die Späher kamen mit dem Flugzeug, haben die Berghänge abgeflogen, sind im Tal gelandet

haben geguckt und geknipst und sind wieder verschwunden, ohne auch nur Guten Tag zu sagen. Natürlich hat der Bauer Mark Dewsbery da Verdacht geschöpft. Nur so, zufällig, kommt nämlich keiner zu ihm auf die Mount Potts Station, eine Schaffarm hart am Rückgrat der Südalpen Neuseelands, zwei Wegstunden von der Stadt Christchurch, 40 Kilometer vom nächsten Dorf und einer geteerten Straße entfernt, kurz vor Nirgendwo.

Ja, Nirgendwo. So steht es auf den Karten. Der Talschluss heißt Erewhon - darinnen steckt das englische Wort für nirgendwo, rückwärts geschrieben. Der Schriftsteller Samuel Butler hat die Gegend so getauft, 1860, zwischen Flüchen und Zähneklappern, als er einen Winter im Zelt gefroren hat, um zu sehen, ob hier Schafe leben könnten. Heute sind Butlers Latifundien crownland, Staatsbesitz, die 650 Quadratkilometer teilen sich die drei Gehöfte Mesopotamia, Erewhon und Mount Potts als Pächter.

Der Name passt noch immer zur Landschaft. Nirgendwo erscheint losgelöst von der Welt und all ihrem Wichtigtun. Weit, still und würdevoll öffnet es dem Betrachter Herz und Atemwege und vermittelt ein behagliches Gefühl für die eigene Unerheblichkeit. Nie ist dieser Eindruck nachhaltiger als zu Sonnenaufgang.

Die himmlische Veranstaltung beginnt mit blauschwarzen Bergflanken unter einem fahlen Himmel. Nebelfelder bedecken den weiten Talboden, die Stimmung ist düster und abweisend. Mit den ersten Bündeln Sonnenlicht ändert sich das Bild: Das harte, büschelige Tussockgras an den baumlosen Berghängen strahlt golden auf, die Luft erwärmt sich spürbar. Als hätte die Sonne das Posthorn der Natur aufgetaut, beginnt der Tag zu tönen: Vögel singen, Merinoschafe blöken.

Die Nebel heben sich wie ein Theatervorhang. Ein breit gehobeltes Gletschertal wird sichtbar, in dem die Arme des Flusses Rangitata blau und golden einen Felsblock umschlingen, der seinerzeit selbst dem Gletschereis zu hart war: Mount Sunday, der Sonntagsberg.

Action! schreit es in die Stille