die zeit: Herr Rauch, Sie haben noch zu DDR-Zeiten in Leipzig Malerei studiert und waren dann an Ihrer Hochschule als Assistent tätig. Lange haben Sie - vor allem figurativ - gemalt, bis vor einigen Jahren das Interesse an Ihren Arbeiten geradezu explodierte. Inzwischen stellen Sie in New York aus, und Ihre Gemälde werden für bedeutende Sammlungen angekauft. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Neo Rauch: Die Aufregung des Kunstbetriebs hat sich glücklicherweise gelegt.

Seit immerhin zwei Jahrzehnten arbeite ich in einer Art, die man mit Recht mehr oder weniger als professionell bezeichnen kann, konzentriert, emsig, zielstrebig. Das deckt sich mit meiner grundsätzlichen Einstellung zum malerischen Metier: Eigentlich kann man sich darauf verlassen, dass man nicht unbemerkt bleibt, wenn man eine bestimmte Art von Rigorosität in seinem Werk walten lasst. Niemand bleibt unbemerkt, der sich unverwechselbar und eindrücklich herauszuarbeiten vermag.

zeit: Wie weiß ein Künstler, dass er wirklich etwas Unverwechselbares zustande bringt?

Rauch: Ich kann sagen, dass ich in dem Augenblick, als ich das erste Mal das Gefühl hatte, mir zu begegnen, mir in einem selbst abgesteckten Bezirk gegenüberzutreten, feststellen konnte, dass das auch um mich herum registriert wurde.

zeit: Wer genau registriert das?

Rauch: Nicht der Markt. Aber zum Beispiel ein Galerist, der spürt: Hier wird sich jemand ähnlich, hier schält sich jemand heraus, gewinnt unverwechselbares Profil, das sich abhebt von rund gelutschten Köpfen, ein Profil, das Wirbel bildet, weil es gegenläufiger Natur ist und das elegante Flanieren durch den Kunstbetrieb behindert. Es gibt Vorbehalte gegen meine Malerei, zum Teil erhebliche. Man muss schon einen langen Weg hinter sich gebracht haben, um sich von seiner Arbeit nicht abbringen zu lassen. Der Wunsch, sich in eine Herde hineinzukuscheln, auch wenn sie sich noch so cool gibt, das Dabei- und Vornseinwollen hält erstaunlich lange an. Da muss man irgendwann stehen bleiben in seiner ganzen Verschrobenheit.