Das Bild, das Sie von der deutschen Innenpolitik zeichnen - das Bild einer Regierung, die sich in Fragen von Weltmacht und Krieg unnötiges Zaudern erlaubt -, ist schlicht falsch, da Sie zahllose wichtige Aspekte einfach ausblenden: etwa, dass auch der Einsatz von hundert Frontsoldaten ein Kriegseinsatz ist, den man grundsätzlich infrage stellen kann

etwa, dass man auch gerade das Unterbinden der parlamentarischen Diskussion durch die Vertrauensfrage als Parlamentskrise bezeichnen kann

etwa, dass der Kanzler nicht zur Vertrauensfrage gezwungen war.

Durch das Weglassen dieser wichtigen Aspekte vermitteln sie den Eindruck, Politik sei lediglich ein chauvinistischer weltpolitischer Machtpoker, in dem Deutschland dank einiger unbelehrbarer Moralisten derzeit eine schlechte Figur abgebe. Ja, Sie vermitteln den Eindruck, als dürfe Politik gar nicht neben der Macht auch ab und an die Moral zu Wort kommen lassen.

Tobias Kaiser Freiburg

Ideologien zeichnen sich gemeinhin dadurch aus, dass sie Fragen beantworten, die sich nicht stellen, um Fragen, die sich stellen, nicht beantworten zu müssen. Die verbreitete und auch in der ZEIT als Pazifismus der Hasenfüße verächtlich gemachte Skepsis gegenüber dem so genannten Krieg gegen den Terrorismus will Josef Joffe dadurch widerlegen, dass er unter Verweis auf Hitler, Pol Pot und Milosevic die These widerlegt, Gewalt löse keine politischen Probleme.

Es könnte aber, wer den Krieg ablehnt, etwa der Meinung sein, dass dieser Krieg den Terror nicht bekämpfen, sondern fördern oder dass er die politischen Werte, um derentwillen er geführt wird, nicht bewahren helfen, sondern gefährden wird. Er könnte aber auch Zweifel daran haben, ob ein Staat, der den Afghanen den Terror der Taliban zumuten zu dürfen glaubte, solange er im eigenen Interesse geschah, die Legitimation besitzt, ihn nun, da er sich gegen ihn selbst richtet, auf fremdem Boden zu bekämpfen.