Der Zeitplan ist das erste Opfer einer Friedenskonferenz. Länger als gedacht rangen in dieser Woche auf dem Petersberg unweit von Bonn die Vertreter von vier afghanischen Fraktionen um die Macht in ihrem Lande.

Genauer: um Einfluss und Pöstchen in der neuen Zentralregierung. Zuvor hatten sich die Teilnehmer über eine internationale Friedenstruppe geeinigt, über die neue, noch auszubildende afghanische Polizei, die Aufgaben der UN und die Aufbaupläne für Afghanistan nach dem Krieg. Doch das finale Wettrennen um die Ministersessel glich einem Marathonlauf.

Das soll niemanden wundern, hatten die Vermittler doch gerade hier das komplizierte Gleichgewicht des Landes auszutarieren. Sie mussten die Interessen der Exilgruppen gegen die militärische Übermacht der Nordallianz vertreten, allen wichtigen Stämmen ein Stimmrecht geben und verdeckte Verwandtschaften entflechten. Doch der verbissene Kampf um die Regierung kaschierte die Realität des Landes.

Über Afghanistans Zukunft bestimmen weniger die hochdekorierten Minister in der Hauptstadt, sondern vor allem die im Felde ausgezeichneten Lokalpotentaten. Von den mächtigen Heerführern war nicht ein einziger auf dem Petersberg. Ihre Emissäre vertreten sie in der zukünftigen Kabuler Regierung.

Doch über Leben und Tod in ihren Teilfürstentümern werden sie entscheiden - in einem Föderalismus der afghanischen Art. Die Löwen der Provinz auf die Ergebnisse der Konferenz vom Petersberg einzuschwören bleibt die wichtigste - und schwierigste Aufgabe der Vermittler.