Die Requisite hat nicht schlecht gearbeitet für diesen Traum aus schwarzen Smokings, durchzechten Nächten im Casino, Filmangeboten großen Stils und Auftritten in Las Vegas. Leider ist Robbie Williams Brite, und Briten wird selten akklamiert, wenn sie sich am amerikanischen Erbe versuchen. Anders als in der Heimat des ersten Popstars Ihrer Majestät schafft es Swing When You're Winning (EMI), seine Sammlung von Standards aus goldenen Entertainment-Zeiten, in den USA nicht einmal, die Best-of-Platten scheintoter Rocker hinter sich zu lassen.

Was allerdings zu verschmerzen ist, denn die Pose allein zählt, und je größer das Vorbild ... Fast mit einem Anflug von Respekt hat Williams sich an die Songs von Cole Porter, George Gershwin, Nat King Cole oder Duke Ellington herangemacht. Statt wie sonst mit selbstzufriedenem Grinsen und programmatischer Bierbäuchigkeit die Brücke zu schlagen zwischen Popstar-Glamour und Pub-Theke, wird er hier zum Wolkenschieber ersten Ranges.

Die Arrangements schwelgen in Streichern, und das mehr als 100 Köpfe zählende Orchester schüttet kübelweise wohltemperierten Bombast aus.

So weit, so plüschig. Wieso es die Welt allerdings ausgerechnet nach einem mit Pomade seitengescheitelten Britpop-Stutzer in der Rolle eines Ersatz-Sinatra verlangen sollte, gehört zu den Fragen, die die konsequente Assimilationskraft des Modells Williams gar nicht erst aufkommen lässt. Es ist gut, weil er es tut, und es ist lustig, solange keiner ernsthaft widerspricht. Eine Pose ist eine Pose ist eine Pose, wenn ein Hochleistungs-Unterhalter seines Schlags in sie hineinschlüpft. Als Super-Robbie legt er es darauf an, mit jedem Heben oder Senken seiner Stimme Frauen in Ohnmacht fallen zu lassen, als Robbie-Boy bewahrt er sich dabei aber gerade noch so viel Distanz zur eigenen Inszenierung, dass die Reverenz nicht zur Anbiederung verkommt.

The Ego Has Landed hieß der Zusammenschnitt von Hits, mit dem Williams bereits vor Jahren den amerikanischen Markt anging, auch auf Swing When You're Winning ist der Robbie bereits die ganze Botschaft: Ich werde sprechen und Hollywood wird zuhören, fantasiert er im allerersten Song des Albums, dem einzigen, der aus seiner eigenen Feder stammt, und auf It was a very good year, einer der heiligsten Frankieboy-Reliquien, gibt er dank moderner Studiotechnik sogar ein Duett mit Ol' Blue Eyes. "Ein Traum wurde wahr", lässt der Meisterswinger, in dem manche zu allem Überfluss auch noch den nächsten James Bond erkannt haben wollen, sich selbst dazu zitieren. Nicht schütteln, nicht rühren, einfach weiterträumen lassen.