Wieder mal hat Joachim Milberg überrascht. Genauso unverhofft, wie er im Jahr 1999 zum BMW-Chef gekürt wurde, gab der 58-Jährige am Dienstag seinen vorzeitigen Abgang bekannt. Obwohl sein Vertrag noch bis zum Frühjar 2003 gelaufen wäre, will er schon im Mai den Stab an Helmut Panke übergeben, den jetzigen Finanzchef des bayerischen Autoherstellers.

Als der Produktionsexperte Milberg seinerzeit den über das Rover-Desaster gestolperten Bernd Pischetsrieder ablöste, kam seine Ernennung völlig unerwartet. Bis zuletzt hatte Wolfgang Reitzle - damaliger Entwicklungschef - als Kronprinz gegolten. Reitzle leitet mittlerweile die Luxusdivision bei Ford, und Pischetsrieder wird im Frühjahr VW-Chef Ferdinand Piëch beerben.

Anders als diese beiden, denen gern der berüchtigte Schuss "Benzin im Blut" bescheinigt wurde, wirkte der ehemalige Hochschullehrer nach außen hin stets kontrolliert und nüchtern. Doch er schaffte das, was ihm bei seinem Start nur wenige zugetraut hatten: In kurzer Zeit brachte er das durch das missglückte Rover-Abenteuer arg ins Schlingern geratene Unternehmen wieder auf Kurs. Das Jahr 2001 wird sogar zum absoluten Rekordjahr in der BMW-Geschichte: Noch nie wurden so viele Autos mit dem weiß-blauen Markenzeichen verkauft, noch nie konnten sich die Aktionäre über solch einen stattlichen Gewinn freuen. Dass die Bilanz so kurz nach dem Rover-Abschied schon wieder so freundlich aussieht, hat Milberg auch seinem Finanzchef zu verdanken: Helmut Panke sorgte vergleichsweise unauffällig dafür, dass der Rover-Aderlass - immerhin rund 15 Milliarden Mark - verdaut werden konnte.

Ähnlich wie seinerzeit Milberg war der 55-jährige Panke nie öffentlich im Gespräch für den Posten des Vorstandsvorsitzenden, und er drängte sich auch selbst nicht in den Vordergrund. Vielleicht hat gerade diese Eigenschaft des studierten Physikers, der Erfahrungen als Personalchef und im wichtigen Amerikageschäft mitbringt, der Quandt-Familie imponiert. Die Großaktionäre geben bei derart wichtigen Entscheidungen den Ausschlag.

Milberg selber begründet seinen vorzeitige Abgang mit der reibungslosen Nachfolgeregelung, durch die er seinen persönlichen "Wunschkandidaten" installiert. Spätestens im kommenden Jahr wäre die Spekulation losgegangen, wenn Milberg nicht verlängert hätte. Und diese Option wollte er schon deshalb nicht wahrnehmen, weil ihn seit einiger Zeit die Nachwirkungen eines Bandscheibenvorfalls plagen. Bei dem im Mai geplanten Wechsel in den Aufsichtsrat fallen wohl auch entschieden weniger Arbeitsstunden im Sitzen an.

Ganz einfach wird es für Nachfolger Panke freilich nicht. Zwar steht BMW derzeit glänzend da. Doch noch ist nicht sicher, ob der gerade eingeführte neue 7er BMW mit seinem umstrittenen Design der erhoffte Erfolg wird. Zudem muss Panke die 2003/2004 geplante Einführung des kleinen 1er BMW und des ersten unter bayerischer Ägide entwickelten Rolls-Royce stemmen. Die Markenrechte an den noblen britischen Limousinen gehen in zwei Jahren von Volkswagen an den bayerischen Konkurrenten über.