Die Zukunft des Radios hat schon begonnen - in Afrika. 36 000 Kilometer über dem Kongo steht seit Ende 1998 der AfriStar, ein Satellit für die Ausstrahlung der digitalen Radioprogramme von Worldspace. Damit hat sich der Äthiopier Noah Samara seinen Traum erfüllt: "Unser digitales Satellitenradio bringt das Licht des Wissens nach Afrika."

Fast eine Milliarde Dollar hat Samara bei Investoren und Sponsoren gesammelt, um mit insgesamt drei Satelliten bis zu 80 Radioprogramme in Afrika, Asien und Lateinamerika auszustrahlen. Alles, was man zum Empfang benötigt, ist ein spezielles Kofferradio mit einer kleinen, aufklappbaren Satellitenantenne.

Bei freier Sicht nach Süden funktioniert der Empfang sogar noch in Norddeutschland. In brillanter Tonqualität ist dann zum Beispiel Radio Sud zu hören, ein Privatradio aus dem Senegal, oder der staatliche Rundfunk aus Kongo Brazzaville, mehrere Musikprogramme oder auch die Afrikadienste von BBC und Bloomberg. Und wer will, kann zusätzlich noch seinen PC direkt an das Radio anschließen und ausgewählte Internet-Angebote gebührenfrei empfangen.

"Die Letzten werden die Ersten sein", sagt Noah Samara über sein Projekt.

Ausgerechnet auf dem technologisch rückständigsten Kontinent hat mit Worldspace das Zeitalter des digitalen Hörfunks begonnen. 400 000 Empfangsgeräte sollen bis Ende des Jahres verkauft werden - zu Preisen, die heute noch zwischen 300 und 1000 Mark liegen, bei größerer Verbreitung aber schnell sinken werden. Das Marktpotenzial schätzt Worldspace auf rund 200 Millionen Haushalte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Von derlei hoffnungsvollen Prognosen sind die deutschen Digitalsender weit entfernt. Schon 1988 begann man mit der Entwicklung der digitalen Technik.

Über 200 Millionen Mark haben die Rundfunkgebührenzahler - ohne es zu wissen - für die Entwicklung des Digitalradios ausgegeben. Mindestens noch einmal so viel wurde an öffentlichen Forschungsmitteln vergeben und von der Industrie in die Systementwicklung gesteckt. Seit 1997 wird die Technik nun auch tatsächlich genutzt. Rund 100 digitale Radioprogramme werden hierzulande per Antenne ausgestrahlt. Nur: Gehört werden sie von fast niemandem. Während die Zahl der UKW-Empfänger auf 500 Millionen geschätzt wird, stehen bisher kaum mehr als 10 000 digitale Empfangsgeräte in deutschen Haushalten.