Es ist die zweite große Versöhnung mit Heinrich Heine. Die erste fand 1988 in Deutschland statt, als sich die Düsseldorfer Universität - nach einem Vierteljahrhundert peinlicher Streitereien - endlich mit seinem Namen schmücken durfte. Zu seinem 204. Geburtstag wird des Dichters nun auch in Israel gedacht, wo er aus anderen Gründen Anstoß erregte. Hier betrachtete man ihn als Abtrünnigen, wollte ihm nicht verzeihen, dass er sich im Alter von 28 Jahren taufen ließ. Dass er diesen Schritt selber als bloßes "Eintrittsbillet zur europäischen Kultur" abgetan hatte, geriet dabei in den Hintergrund. Ebenso wie die Tatsache, dass Heine bis zu seinem Tod von seiner Herkunft geprägt blieb. "Ich mache keinen Hehl aus meinem Judentum, zu dem ich nicht zurückgekehrt bin, da ich es niemals verlassen hatte", erklärte er als kranker Mann in der Matratzengruft des Pariser Exils.

Viel ist über Heines komplexes Verhältnis zum Judentum geschrieben worden.

Das Thema steht nächste Woche auf einem viertägigen internationalen Symposium in Jerusalem zur Debatte. Die Veranstaltung an sich ist für den israelischen Heine-Biografen Yigal Lossin "sensationell"

er hält aber auch die inhaltliche Beschäftigung mit Heine für relevant. "Wir streiten uns hier dauernd über unsere eigene Identität: Was sind wir? Sind wir Juden, sind wir Israelis?" Heine zu lesen helfe da weiter.

Heine liefert unorthodoxe Anworten auf diese Frage. Seine Definition vom Judentum war revolutionär. Er hat - wie das von ihm mitgeprägte 19.

Jahrhundert - eine jüdische Identität beschworen, deren Bedeutung von einer gemeinsamen Geschichte und nicht vom Besuch der Synagoge abhängt. Heinrich Heine, der Spinoza als "Unglaubensgenossen" bezeichnete, erfand den säkularen Juden, wie es ihn heute in Israel zuhauf gibt. Zu seiner Zeit aber traf Heines neue Begrifflichkeit vor allem auf den erbitterten Widerstand der "deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens".

Wie so vieles bei Heine wird sein eigenes Judesein letztlich immer ein Rätsel bleiben. In jedem Fall aber sei es an der Zeit, dass auch "wir mit dem allergrößten jüdischen Dichter Frieden machen" sagt der Initiator der Konferenz, Michael Shiloh. Rechtzeitig zum Symposium erscheint eine Heine-Briefmarke, außerdem wird nun endlich auch eine Straße in Jerusalem nach ihm benannt. In den viel weniger religiösen Städten Haifa und Tel Aviv ist das bereits geschehen. Die Speisefolge des Festmenüs am Eröffnungsabend wurde aus Heines Prosawerk Der Rabbi von Bacherach entnommen: Latkes, Tscholent und Lammbraten.