Töten, töten töten
Nicht nur das Blutbad von Qala-i Dschanghi wirft Fragen nach der Kriegsführung in Afghanistan auf. Die USA ignorieren das humanitäre Völkerrecht
Grausam war's, das steht außer Zweifel. Die Bilder vom Aufstand der Taliban im Gefängnis Qala-i Dschanghi mochten selbst hart gesottene Fernsehzuschauer erschüttern: ein Kämpfer der Nordallianz, der einen Toten als Kugelfang benutzt
Panzer, die aus kürzester Distanz auf die Rebellen feuern
ein mit Leichen übersäter Innenhof. Das Gefängnis als Schlachthaus.
Es war einer der seltenen Einblicke in den Alltag Afghanistans seit Beginn des Krieges am 7. Oktober. Ein Krieg, der Fragen nach der Wahrung des Völkerrechts aufwirft. Sind die eingesetzten Methoden und Mittel verhältnismäßig? Werden Zivilisten geschont? Wird der Westen seinen hohen moralischen Ansprüchen gerecht? Der Auslöser des Aufstandes von Qala-i Dschanghi ist nicht geklärt. Es gibt zwei Versionen: Die Rebellion, heißt es, sei ausgebrochen, weil die Taliban lieber sterben wollten, als gefangen zu sein. Die zweite Erklärung sagt, die Taliban hätten rebelliert, weil sie dachten, sie würden ohnehin exekutiert.
Ob spontaner Aufstand oder inszeniertes Massaker - sicher ist nur, dass am Ende zwischen 400 und 600 Gefangene tot waren. Es handelte sich dabei um so genannte "Araber" - Fundamentalisten aus vieler Herren Länder, die sich Osama bin Laden angeschlossen hatten. Die "Araber" waren für alle ein Problem: Bei den Afghanen selbst sind sie verhasst
die Amerikaner jagen sie
in ihren Ursprungsländern (Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Usbekistan) wird ihr Destruktionspotenzial gefürchtet. Über ihren Tod wird sich niemand beschweren.
- Datum 06.12.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 50/2001
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