Washington

In Washington gibt es eine Gruppe einflussreicher Politiker, die eine verblüffend präzise Antwort auf die schwierige Frage kennt, wie es weitergehen soll im Krieg gegen den Terrorismus. Die Antwort ist knapp und folgenreich, sie besteht aus sechs Buchstaben: Saddam. Iraq is next! heißt die Parole.

Wer die Kriegspartei und ihre Argumente kennen lernen will, ohne den Nebel diplomatischer Rücksichtnahme, der muss sich aufmachen nach Chevy Chase, einen Vorort Washingtons. Dort, in einer dunkel gebeizten Holzvilla, inmitten von Kochbüchern und bewacht von einem Pudel namens Regan, lebt Richard Perle: intellektuell brillant, spielt im Politikbetrieb der Supermacht den Rechtsaußen und kann die Trompete zum Angriff blasen, weil er als "Berater des Verteidigungsministers" nicht der Regierungsdisziplin unterliegt.

Perle sieht seit dem 11. September keinen postnationalen Konflikt vor sich, in dem eine Weltmacht einzelnen Kriminellen nachstellt. Es gehe um Staaten, wie gehabt. Staaten, die Terroristen gestatteten, "jeden Morgen ohne Angst in ihr Trainingslager zu gehen". Nur wer solche Regime bekämpft, glaubt Perle, trocknet den Terrorismus aus. Wer Terroristen einzeln verfolgt, züchtet neue.

Auf der Weltkarte sieht Richard Perle "acht oder zehn" solcher Staaten. Nicht gegen alle müsse Amerika Krieg führen, nur gegen jenes Land, das die größte Bedrohung darstelle: den Irak. Wer dann Terrornester noch immer nicht ausfegt, muss fürchten, als Nächster dran zu sein. You're next - Diplomatie mit dem Revolver an der Schläfe.

Luftkrieg? Funktioniert doch!

Richard Perle fordert seit Jahren, den Diktator von Bagdad zu stürzen. Seit dem 12. November, dem Tag der Flucht der Taliban aus Kabul, weiß er sich im Besitz neuer, starker Argumente. Die Mahner und Warner, voran Außenminister Colin Powell, haben Unrecht gehabt, sagt er. Keineswegs befinde sich die arabische Welt - wie befürchtet - im Aufstand gegen die Vereinigten Staaten, nirgends im befreiten Afghanistan tobe ein Dschihad gegen die Amerikaner, vielmehr würden sie als Befreier begrüßt. Vor allem ist in Perles Augen ein Mythos zerstört: dass Luftkrieg ohne Bodentruppen nicht funktioniert, dass eine kleine, schlecht bewaffnete, zerstrittene Opposition nichts auszurichten vermag. Jeder dieser Einwände werde auch gegen einen Irak-Krieg benutzt, sagt Perle, keiner sei mehr ernst zu nehmen. Drum solle "Phase zwei" des Antiterrorkrieges nach dem Modell Afghanistan ablaufen und mit der Bewaffnung der irakischen Opposition beginnen.