7.00 Uhr im Studio des Disney-Senders ABC am Times Square. Diana Sawyer und Charles Gibson, die Anchors von Good Morning America, begrüßen ihre Studiogäste hinter Panzerglas. Heute sind Vertreter des Spielwarengiganten Toys 'R' Us eingeladen. Sie haben grüne und lilablaue Stoffmonster aus Disneys neuestem Trickfilm Monsters Inc. mitgebracht. Meist kommen in die Morgensendung Stars der ABC-TV-Serien: Michael J. Fox, Jenna Elfman, Tim Allen.

10.00 Uhr am Broadway-Theater in der 35. Straße. Früher hieß es Colony.

Unternehmensgründer Walt Disney präsentierte hier 1928 seinen ersten Trickfilm: Steam Boat Willie. Heute ist sein Zeichentrickunternehmen nach AOL Time Warner der zweitgrößte Unterhaltungskonzern der Welt: 26 Milliarden Dollar Jahresumsatz, Filmstudios, Kabelprogramme, Buchverlage, Radiostationen, Tageszeitungen, Shopping-Malls, Hockey- und Baseballteams, Kreuzfahrtschiffe, eine Insel. Und eine Stadt namens Celebration in Florida.

Das Gelände hat eine eigene Polizei und eine Feuerwehr. Alles ist durchgestylt, alles wird zentral kontrolliert, selbst die Farbe der Fußmatten. Disney-Kritiker Richard Feglesong nennt den Konzern den Vatikan mit Mäuseohren.

12.00 Uhr im Disney-Flaggship Store, Fifth Avenue. Disney hat weltweit mehr als 500 Geschäfte, vier in New York. Dort gibt es die grünen und lilablauen Monster. Außerdem Winnie the Poo aus Plüsch, Pluto als Robotdog, Alice im Wunderland aus Porzellan. Oder Mickey als Freiheitsstatue. Der Konzern liebt Symbole. Er besitzt auch die Vermarktungsrechte an den Canadian Mounties, der kanadischen Gebirgspolizei.

14.00 Uhr im Restaurant ESPN-Zone, 42. Straße. Hausherr ist der Disney-Sportsender ESPN. Überall Bildschirme, die Spiele zeigen. In simulierten Logen kann man Baseball-Steaks und Football-Hamburger bestellen.

Gegenüber liegt Disneys New-Amsterdam-Theater. Dort läuft das Musical Lion King. Für Konzernchef Michael Eisner sind Musicals der Einstieg in den Städtetourismus - das Geschäft der Zukunft. Den Lion King gibt es als Video, als CD, Breitleinwand-Zeichentrickfilm und Plüschpuppe. Aber damit erschöpft sich Disneys Cross-Marketing nicht. 1997 hing am New Amsterdam ein Plakat, das für die Biografie des ABC-Stars Tim Allen warb - die im Disney-Verlag Hyperion erschienen war. Gleichzeitig drehte Disney den Film Jungle 2 Jungle, ebenfalls mit Tim Allen, der die 42. Straße im Hintergrund zeigt - und das New Amsterdam. Früher war die 42. Straße eine verrufene Pornomeile. Nachdem Disney den Kaufvertrag mit der Stadt New York unterschrieben hatte, wollte der Konzern die ganze Straße sperren lassen und Eintritt nehmen. Kontrolle war für uns immer das Wichtigste, sagte Chefstratege Larry Murphy.