Z E I T L Ä U F T E Der Blick ins Nichts Seite 5/5
Nach derzeitigen Plänen soll auch das Hubble-Weltraumteleskop im Jahr 2009 von einem Nachfolgegerät abgelöst werden, dem NGST (Next Generation Space Telescope). Es wird mit acht Meter Durchmesser so groß sein, dass es nur im zusammengeklappten Zustand in eine Trägerrakete passt und sich erst im Weltraum entfalten wird. Im Gegensatz zum HST soll das NGST in großer Entfernung zur Erde stationiert werden, nämlich etwa 1,5 Millionen Kilometer weit weg, also etwa im vierfachen Abstand der Erde zum Mond. Eine Wartung durch Astronauten wie beim HST kann es dann nicht mehr geben. Das NGST wird eine zehnmal höhere Lichtsammelfläche haben als das HST, was zum Beispiel im infraroten Wellenlängenbereich eine tausendmal größere Empfindlichkeit bewirkt.
Aber auch das wird gewiss nicht das letzte Fernrohr sein, das sich die Astronomen bauen, um endlich den ganzen Weltraum zu durchschauen. Im Grunde wünschen sie nichts sehnlicher, als den Urknall selbst zu sehen, mit dem vor etwa 15 Milliarden Jahren die Welt begann. Dazu bedarf es eines Teleskops, mit dem man 15 Milliarden Lichtjahre tief ins Universum schauen kann und damit zurück in die Zeit.
Doch der Urknall, das weiß jeder, wird niemals sichtbar sein, da er gleichsam hinter einem undurchdringlichen Schleier extrem heißer Strahlung verborgen liegt, den das menschliche Auge auch mit dem stärksten optischen Hilfsmittel niemals durchdringen kann. Der Schöpfer, so scheint's, hat kein Interesse daran, dass ihm der Mensch beim Schöpfungsakt zuschaut. Der Urknall unterliegt der göttlichen Zensur. So wird der tiefste Blick ins Universum vermutlich ein Blick ins Nichts sein.
- Datum 23.04.1998 - 06:23 Uhr
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