Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen." Schon der Holsteiner Volksdichter Matthias Claudius wusste 1786 um das Resultat einer spannenden Reise: angefüllt zu sein mit dem Ungewöhnlichen und dem Neuen, für das sich eine Menge Zuhörer finden lassen sollte.

Und je ungewöhnlicher die Reiseziele, desto außergewöhnlicher die Geschichte.

"Wenn einer im Urlaub mit einem Forschungsschiff zum Südpol reist, ist das eine Story", sagt Ulrich Rüter. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) aus Berlin ist überzeugt: "Solche Angebote wird es in Zukunft geben."

Der Trend zum Skurrilen und Außergewöhnlichen beim Urlaubs- und Reiseangebot der Zukunft hält an. "Vor allem für Reiche wird es in einer gesättigten Gesellschaft darum gehen, das zu bekommen, was sie bisher nicht kaufen konnten." Der Thrill des Außergewöhnlichen wird für Managergenerationen der Zukunft noch bedeutender werden, glaubt er. "Survival-Training im Iglu am Nordpol zum Beispiel oder Regenwürmer essen in Lappland." Wichtig wird dabei sein, dass das Regenwurmragout bei einem "akademischen Austausch" unter Gleichgesinnten zubereitet werden kann - als kulinarisches Zeichen einer trendigen Elite.

Die Grenzen des touristischen Denkens verschieben sich zunehmend. Eine Aufführung des Musicals König der Löwen in der afrikanischen Savanne oder eines Rockkonzerts in der Antarktis werden irgendwann buchbar sein. Was utopisch klingt, muss nicht utopisch sein: So will der USamerikanische Gitarrist Henry Kaiser als erster Musiker am Südpol eine CD aufnehmen - ein Vorreiter für Livemusik-Events der Zukunft -, pauschal buchbar mit Flug und allem inklusive.

Daneben bieten vor allem Ausflüge in den Weltraum den Reiz des Ungewöhnlichen und Elitären. "Seit Jahren kursiert bei uns das Gerücht, dass einige Reiseveranstalter schon Wartelisten für Reisen zum Mond in der Schublade haben", sagt Rüter leicht amüsiert. Doch offensichtlich ist Weltraumtourismus schon lange kein Thema mehr nur für Science-Fiction-Romanciers oder Ufo-Forscher (siehe Kasten).

"Auch wenn solche futuristischen Angebote sicherlich wachsen werden, wird sich der Markt fürs Extreme in 20 Jahren weiterhin nur im Promillebereich bewegen", zeigt sich Klaus Hildebrand, Chefredakteur von FVW International, Deutschlands größter Fachzeitschrift der Reisebranche, überzeugt. Und auch die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) aus Kiel, die seit über 30 Jahren jährlich das Reiseverhalten der Deutschen untersucht, stimmt dem zu.