Früh gehörten biologische Waffen zum Arsenal der Kriegführung. In den Türkenkriegen des Mittelalters schleuderten Truppen Pestleichen mit Katapulten über die Mauern belagerter Städte. Und in den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen wurden mit Pockenerregern verseuchte Decken an aufständische Indianerstämme verteilt. Die Strategien waren zwar "erfolgreich", aber nicht differenziert: Die Bazillen rafften Menschen jeder Hautfarbe dahin.

Im 20. Jahrhundert wurde dann gezielter versucht, bestimmte Volksgruppen mit biologischen Keimen zu schädigen. Bakterien, Viren, Würmer, Pilze und Parasiten wurden daraufhin getestet, ob sie eine Vorliebe für Schwarze, Weiße, Rote oder Gelbe haben. Doch aufgrund von "rassischen" Unterschieden lässt sich, zum Glück, keine Ethnie planmäßig mit Keimen ausrotten. Die Menschen sind sich genetisch und immunologisch zu ähnlich, die Erregerkulturen würden ungezielt alle treffen. Der Populationsgenetiker Luigi Cavalli-Sforza meint, dass zwischen einem Bayern und einem Ostfriesen mehr genetische Unterschiede bestehen können als zwischen einem Schwarzen und einem Weißen.

Zwar gibt es einzelne Bevölkerungsgruppen, die anfälliger für manche Krankheiten sind: Pima-Indianer erkranken besonders häufig an Diabetes, in Afrika bietet eine Form der Blutarmut, die Sichelzellenanämie, einen gewissen Schutz vor Malaria. Doch diese Unterschiede taugen nicht als Angriffsziele für Mikroben. Auch mithilfe gentechnisch veränderter Organismen wird dies nach Ansicht von Experten nicht gelingen. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass Keime so verändert werden können, dass sie gezielt Schwarze oder Weiße treffen", sagt Johannes Hübner von der Harvard Medical School, "dazu ist ihre Wirkungsweise viel zu universell."

Angriff auf Lunge oder Magen

Wenn sich etwa Milzbrandkeime in der Lunge festsetzen oder Bakterien vom Typ Clostridium botulinum in den Magen gelangen - zwei Klassiker der biologischen Kriegführung -, ist ihnen die Hautfarbe des Körpers egal, den sie zerstören.

Trotzdem wurden B-Waffen-Forscher immer hellhörig, wenn sie von Erregern hörten, die etwas wählerischer vorgingen. So gibt es den Keim Coccidioides immitis, einen Pilz, der besonders die Lunge befällt. Aus bisher unbekannten Gründen streut er bei Schwarzen und Filipinos häufiger als bei Weißen in den Blutkreislauf und führt zu schwereren Verläufen. Wenn sie frühzeitig erkannt wird, kann die hartnäckige Pilzinfektion jedoch gut therapiert werden. In den USA bestand eine Zeit lang Sorge, dass der Keim gegen eigene Stützpunkte verwendet werden könnte, wo Farbige den Großteil der Arbeiten verrichteten.

Ein weiterer Keim, der häufiger Schwarze als Weiße befällt, ist ein Bakterium, das die "Donovaniose" verursacht, eine Geschwürbildung an Haut und Schleimhäuten, auch Granuloma inguinale genannt. Es wird durch Geschlechtsverkehr übertragen und kann unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen, lässt sich allerdings mit Antibiotika in den Griff bekommen. In den USA wurde das Granuloma inguinale als typische Erkrankung von unterprivilegierten Schwarzen angesehen, die angeblich ständig Sex hatten. Es soll in "Menschenexperimenten", unter anderem im Süden der USA, gezielt bei Schwarzen herbeigeführt worden sein. Allenfalls taugte die Donovaniose zur Kultivierung rassistischer Vorurteile.