Es ist nichts Außergewöhnliches, wenn ein italienischer Minister zurücktritt.

Das ist in den vergangenen Jahrzehnten häufig vorgekommen. Diesmal war Außenminister Renato Ruggiero an der Reihe. Sein Rückzug aus der Regierung signalisiert allerdings, dass Italien inzwischen ein europäisches Sorgenkind geworden ist. Und das in einem Moment, in dem Europa mit dem Euro den Integrationsprozess kräftig vorantreibt. Die abfälligen Bemerkungen seiner Ministerkollegen über die Einheitswährung hatten Ruggiero verzweifeln lassen.

Berlusconi hat ihn nicht im Amt gehalten, im Gegenteil.

Als Berlusconi sich im Juni des vorigen Jahres anschickte, seine Regierung zu bilden, herrschte in den europäischen Kanzleien Aufregung. Berlusconi konzentriert in seinen Händen eine Medienmacht, um die ihn selbst Serbiens Slobodan Milosevic beneidet hätte

er hat außerdem ein gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat. Als sei das nicht genug, regiert Berlusconi mit zwei besorgniserregenden Koalitionspartnern: der Lega Nord des Populisten und Antieuropäers Umberto Bossi und der Alleanza Nazionale von Gianfranco Fini, die ihre faschistischen Wurzeln nicht leugnet. Grund genug für die Europäer, sich zu sorgen. Berlusconi selbst verstand, dass man ihm in den europäischen Hauptstädten ablehnend gegenüberstand. Es musste ein Mann her, der zumindest nach außen das Gesicht wahren konnte. Ruggiero war ideal für die Fassade: parteiunabhängig, international erfahren, allseits respektiert. Europa ließ sich gern beruhigen.

Jetzt ist Ruggiero weg. Der Blick auf Italien, so wie es heute regiert wird, ist nun frei. Das hat den Vorteil, dass man erkennen kann, worin die Schwierigkeiten bestehen. Das Grundproblem lässt sich mit wenigen Worten beschreiben: Es ist die Anomalität der italienischen Rechten. Berlusconi, Bossi und Fini sind nur ein Beweis dafür, dass Italien im Unterschied zu anderen europäischen Ländern niemals über eine aufgeklärte, gemäßigte Rechte verfügt hat. Berlusconi repräsentiert die Parvenus der italienischen Gesellschaft, die sich mit allen Mitteln bereichern wollen

Bossi vertritt den zornigen Kleinbürger des wohlhabenden Nordens