Wir sind pleite! Diesen Satz sagte der neue argentinische Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov bei seinem ersten öffentlichen Auftritt. Das Land kann seine Schulden nicht zurückzahlen, rund 155 Milliarden Dollar. Remes Lenicov und Präsident Eduardo Duhalde stehen harte Zeiten bevor. Sie müssen den maroden Staat nach dem größten Zahlungsausfall in der Geschichte sanieren.

Die Regierung wirbt um Vertrauen: Innerhalb der eigenen Bevölkerung, um den sozialen Frieden im Land zu sichern. Bei ausländischen Unternehmen, damit diese weiter neue Arbeitsplätze schaffen. Und auf den internationalen Kapitalmärkten, damit weiter Geld ins Land fließt. Doch was immer Präsident Duhalde auch tut, der Unmut einer dieser drei Parteien ist ihm gewiss.

Am Wochenende verabschiedete die Regierung ein Reformprogramm, das der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen soll. Kernpunkt ist Aufgabe des Currency Boards, das ein Tauschverhältnis von eins zu eins zwischen Dollar und Peso garantierte. Nun gibt es zwei separate Wechselkurse. Einen, der für den Waren- und Kapitalverkehr mit dem Ausland gilt. Und einen für den privaten Devisenverkehr, etwa für Auslandsreisen. Der offizielle Kurs wurde um fast 30 Prozent abgewertet und auf 1,40 je US-Dollar festgelegt. Er soll in vier bis fünf Monaten ganz freigegeben werden. Der zweite Kurs bildet sich schon jetzt auf dem Markt.

Schon in den vergangenen Monaten sind die Stimmen immer lauter geworden, die eine Abkehr von der Dollarbindung gefordert hatten. Denn angesichts des überbewerteten Peso waren argentinische Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Gegen die Aufgabe des Currency Boards sprachen bislang vor allem zwei Gründe: Da sowohl argentinische Privatleute als auch Unternehmen in Dollar veschuldet sind, würde ihre Schuldenlast als Folge einer Abwertung steigen. Zudem besteht die Gefahr der Inflation, wenn die Zentralbank ohne Rücksicht auf Dollarreserven Peso drucken kann. Aus Angst vor einer Entwertung des Geldes erhöhten in den vergangenen Wochen schon viele Geschäfte ihre Preise.

Die Geduld ist am Ende

Mit diesen Gefahren im Nacken ordnete Präsident Duhalde an, alle Kredite bis zu 100 000 Dollar in Peso umzuwandeln, ebenso ausstehende Kreditkartenrechnungen. Um den Preisanstieg zu vermeiden, wurden die Preise für Grundnahrungsmittel und Benzin festgesetzt.

Dank dieser Schritte bleibt vielen Argentiniern vorläufig der Bankrott erspart. Alles andere wäre politisch nicht mehr durchsetzbar gewesen. Nach fast vier Jahren Rezession ist jeder Fünfte arbeitslos, 14 000 Argentinier rutschen täglich unter die Armutsgrenze - die Geduld der Bevölkerung ist am Ende.