Das deutsche Konzept einer aktiven Arbeitsmarktpolitik spiegelt in mancher Hinsicht die Idee von New Labour wider. "Die Abkehr von ideologisch geprägten Politikansätzen hin zu pragmatischen Lösungsansätzen." So nannte es Anthony Giddens, Dekan der London School of Economics und intellektueller Vater von Tony Blairs Drittem Weg. Umgesetzt wurde die Idee im New Deal. In Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, Behörden, Ausbildungsstätten und karitativen Einrichtungen soll Langzeitarbeitslosen geholfen werden, den Weg zurück in die Arbeitswelt zu finden. Dabei wurde die Idee der Eigenverantwortung von den Konservativen übernommen, die seit Anfang der neunziger Jahre die Vergabe von Arbeitslosengeld an die aktive Jobsuche des Empfängers geknüpft hatten.

Auch beim New Deal gilt: Wer nicht sucht, bekommt nichts. In den letzten vier Jahren haben so rund 600 000 Menschen einen permanenten Arbeitsplatz gefunden.

Andrew Dilnot vom Institute for Fiscal Studies (IFS) hält dies für einen "moderaten Erfolg" und gibt zu bedenken, dass "viele von denjenigen, die durch den New Deal zu permanenter Arbeit gekommen sind, unter den günstigen wirtschaftlichen Bedingungen der letzten Jahre auch ohne die Hilfe der Regierung einen Job gefunden" hätten. Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit in Großbritannien seit 1992 kontinuierlich gefallen. Zeiten des allgemeinen Aufschwungs eignen sich tatsächlich schlecht, um ein Regierungsprogramm als "riesigen Erfolg" zu feiern, wie Labour dies tut. Vor allen Dingen dann nicht, wenn das Unterfangen bisher vier Milliarden Pfund (6,4 Milliarden Euro) gekostet hat. Dennoch: Betrachtet man die Zahlen genau, ist ein Erfolg bei der Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit auszumachen. Nach Angaben der Regierung haben seit 1998 fast 340 000 Jugendliche im Alter zwischen 18 und 24 Jahren eine Arbeit gefunden. Fast die Hälfte von ihnen nahm einen von der Regierung finanzierten Aus- oder Weiterbildungsplatz in Anspruch. Bedenkt man, dass es um das britische Schulsystem nicht gerade zum Besten steht, so muss man den Erfolg des New Deal nicht nur an seinem wirtschaftlichen Nutzen messen, sondern auch die sozialen Konsequenzen einer besseren Ausbildung berücksichtigen. Offen ist dagegen die Frage, ob das Projekt auch zu wirtschaftlich ungünstigeren Zeiten zu finanzieren ist. jfj