Kombilohn heißt auf Französisch prime pour l'emploi und ist längst ein bewährtes Instrument am Arbeitsmarkt. Seit 1993 haben linke wie rechte Regierungen schrittweise die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung für Niedriglohnempfänger gesenkt. Bisher dürfte die "Beschäftigungsprämie" nach Schätzung der Finanzämter insgesamt rund 15 Millionen Franzosen zugute gekommen sein, mit durchschnittlich 229 Euro pro Person und Monat (ZEIT Nr.

51/01). Erste Studien des nationalen Statistikamtes gehen von mindestens 250 000 neuen Arbeitsplätzen jährlich aus, drei Viertel davon im Dienstleistungsbereich.

Die prime pour l'emploi ist freilich nur ein (gewichtiger) Teil einer Arbeitsmarktpolitik, die seit gut zehn Jahren ihre Erfolge vorzuweisen hat: Allein im Rekordjahr 2000 entstanden fast 600 000 neue Jobs, die Arbeitslosigkeit fiel von über zwölf auf knapp neun Prozent. Und entgegen aller Gewohnheit wurden die meisten neuen Arbeitsplätze nicht im Staatsapparat geschaffen, sondern in der freien Wirtschaft.

Neben der Prämie entfalteten ein Jugendbeschäftigungsprogramm und auch die Arbeitszeitverkürzung - eine 35-Stunden-Woche für größere Betriebe - die ersehnte Wirkung. Eine wachsende Zahl von befristeten Jobs erlaubt die schnelle Anpassung am Arbeitsmarkt, der reagiert inzwischen flexibler als der deutsche, wie die Deutsche Bank Research unlängst lobte. Gewiss sorgen sich die Franzosen, dass sie zu Job-Hoppern werden könnten, von einem prekären Posten zum nächsten geschubst. Jüngere Studien belegen aber, dass die Zahl derer, die eine befristete Beschäftigung in eine unbefristete verwandeln können, spürbar steigt - von 28 Prozent der Betroffenen 1997 auf 38 Prozent im Jahr 2000.

Anders als in Deutschland werden beim Nachbarn Kombilohn und Teilzeitarbeit kaum kontrovers diskutiert. Überhaupt verdient die Beschäftigungspolitik das Prädikat "pragmatisch". Von Ideologie keine Spur. Sollte sich dahinter das wahre Erfolgsrezept der Franzosen verstecken? van