Beinahe hätten sie damals, vor zehn Jahren, beim zweiten Kochwettbewerb der ZEIT, den ersten Preis gemacht. Pfiffige Burschen waren sie, die Brüder Lange: gründlich vorbereitet, ehrgeizig und mutig. Letztere Eigenschaft bedeutet in der Küche kein Risiko scheuend.

Risiken gibt es beim Kochen viele. Das Risiko des Misslingens, wenn man sich zu komplizierte Rezepte vornimmt. Und das Risiko, dass das kulinarische Kunstwerk, welches man seinen Gästen stolz präsentiert, von diesen eher lustlos verdrückt wird, weil sie etwas anderes erwartet haben.

Daran scheitern auch viele Profiköche. Da macht einer im Thüringer Wald ein Gasthaus auf und engagiert sich in der Küche, als habe er täglich die Inspektoren des Michelin zu Gast. Doch die Gäste sind nicht so kritisch, sie wollen vor allem keine Kunstwerke auf den Tellern und schätzen es nicht, wenn ihnen der Perfektionist in der Küche dazu ein Glas Wein oktroyiert, dessen Namen sie nie gehört haben und der ihnen auch nicht sonderlich gut schmeckt.

So etwas kommt oft vor. Heute würde man sagen: Küche und Gäste sind nicht kompatibel. Der Koch murmelt etwas in die Pfanne, das klingt wie Perlen vor die Säue ..., die Gäste sehen sich an und meinen: Der spinnt doch!

Diese kleine Abschweifung hat nichts mit den erwähnten Brüdern zu tun. Die haben, soviel ich weiß, nie versucht, einen Landgasthof zu eröffnen. Dazu waren sie zu klug. Außerdem haben beide einen soliden Beruf.

Doch die Welt des Genießens ist verführerisch, zudem machen Essen und Trinken Spaß. Und darüber zu schreiben kann richtig cool sein. Vor allem über Wein.

Da es mehr Weine gibt als Kochrezepte und mehr Winzer als Restaurants, hat sich ein Tsunami aufgetürmt, eine Riesenwelle, wie sie nach einem Seebeben Schiffe, Land und Leute unter sich begräbt. Eine solche Welle von Büchern zum Thema Wein ist seit wenigen Jahren auch über uns Leser hereingebrochen. Weiß der Teufel, woher plötzlich all die Experten kommen.