Gewinner und Sanierer.

Von spektakulären Pleiten im Stil der Internet-Industrie ist die Bio-Tech-Branche bisher verschont geblieben - allerdings gibt es die ersten Sanierungsfälle. Das Jahr 2002 dürfte deshalb spannend werden, zum Beispiel für das Unternehmen MWG aus Ebersberg bei München. Firmengründer Michael Weichselgartner gab im Sommer auf und hat die Firma, die er nach seinen persönlichen Initialen benannt hat, seither nicht mehr betreten. Nun müht sich Matthias Schönermark, das verzweigte Unternehmen auf Kurs zu bringen, das als Laborausstatter begann und sich später auf allen möglichen Feldern der Biotechnologie betätigte. Während die Bereiche Gensequenzierung und Biochips fortbestehen sollen, will der neue Chef sich noch im Januar auf die Suche nach einem Käufer für die Abteilung Laborroboter machen. Für die Zerlegung bringt Schönermark beste Qualifikationen mit, der Manager, der im Frühjahr als Berater von der Boston Consulting Group in die kranke Firma kam, ist gelernter Arzt und verfügt auch über chirurgische Praxis.

Turbulenzen auch bei Cybio in Jena: Abrupt verabschiedeten sich Ende November die Vorstände Petra Strümper und Heinz Daugart und ließen die gerade angeworbene Finanzchefin Sonja Strauss allein zurück. Das Unternehmen war im vergangenen Jahr ins Kreuzfeuer geraten, weil es wegen einer Buchungspanne die Bilanz verspätet und dann mit Verlust präsentierte. Noch kritischer: Auch der Umsatz mit Laborrobotern zur Wirkstoffsuche entwickelte sich enttäuschend. Sollte Cybio die für dieses Jahr angekündigte Wende nicht schaffen, geben Branchenexperten wie Thomas Schiessle, Analyst bei Delbrück in Frankfurt, dem Unternehmen wenig Chancen.

Etwas positiver sind die Aussichten bei Genescan in Freiburg: Das schon profitable Unternehmen hatte die Nachfrage nach Biochips offensichtlich überschätzt und geriet so im vergangenen Jahr wieder in die Verlustzone. Der Vorteil: Die Freiburger leben nicht allein vom Geschäft mit den Chips, die zur Diagnose von Krankheiten mit DNA-Schnipseln beladen werden. Bekannt wurde Genescan durch den Nachweis von genmodifizierten Zutaten in Lebens- und Futtermitteln - und diese Dienstleistung ist nach wie vor gefragt.

Bio-Tech: Kapitalhungrig.

Stand das Jahr 2000 für den Börsenboom nach der Entschlüsselung des Genoms, folgte 2001 prompt die Ernüchterung: Die Kurse sanken drastisch. Jetzt, so hoffen viele Zweckoptimisten, kann alles nur noch besser werden. Bei den Börsengängen könnten sie Recht haben. Wegen der Baisse wagten sich im vergangenen Jahr nur zwei (2000: zwölf) Bio-Tech-Betriebe an den Aktienmarkt.

Entsprechend viele Kandidaten sitzen nach Angaben des Brancheninformationsdienstes Biocentury jetzt in den Startlöchern: Epigenomics, Epidauros, Ingenium, Atugen, Axxima, Cardion, Develogen, Morphochem ... Die Anleger werden sich also in diesem Jahr möglicherweise wieder eine Menge neuer Firmennamen einprägen müssen.