Stress macht hässlich. Beim Menschen malt er Ringe unter die Augen, treibt Pickel ins Gesicht. Bei Hühnern hinterlässt er die Pickel auf den Eiern: Die Geflügelforscherin Sally Solomon von der Universität Glasgow misst den Stress ihres Federviehs schon seit langem anhand der Struktur der Eierschalen.

Im Eileiter der Henne passiert bei Stress, was wir aus dem Verdauungstrakt gestresster Säugetiere kennen - vor allem wenn diese Säugetiere in der Management-Etage gehalten werden: Übersäuerung. Säurehaltige Eiweiße lagern sich in der Schale ein, machen sie rau und verursachen die hässlichen Kalkpickel. Der Inhalt ist in Ordnung, doch die Verpackung macht die Eier zu Ladenhütern.

Wer jedoch fest daran glaubt, durch den Kauf von Freilandeiern seine Pfadfindertat für den Tag erledigt zu haben, muss Federn lassen. Denn Stress gibt es überall. Zur Überraschung der Eiforscher haben die so genannten glücklichen Freilandhühner mit viel Platz zum Gackern oft viel mehr Stress als die Kolleginnen aus dem Stall. Modernen, stallgewohnten Hühnerrassen geht es dabei mitunter wie Städtern, die aufs Land ziehen: Sie sind den Herausforderungen der freien Wildbahn nicht mehr gewachsen.

Schließlich hat die Frischlufthenne überall Angreifer zu vermuten: Tief fliegende Flugzeuge, Hundegebell, ja sogar Heißluftballone scheuchen die schreckhaften Hühner auf, sagt Solomon. Dazu noch der Sozialstress: Ständig müssen die Vögel um ihren Platz in der Hackordnung kämpfen. Das macht Pickelschalen. Und dass Eier vom "glücklichen Huhn" besser schmecken sollen, verweist Solomon ins Reich der Legende. Doch vielleicht ist sie voreingenommen: Ihre Versuche mit eigenen frei lebenden Hühnern endeten tragisch. Eines Nachts kam der Fuchs und biss den Tieren die Köpfe ab. "Ich bin sicher", sagt Solomon, "dass das ziemlich stressig für die Hühner war."