Brüssel

Noch ist der Krieg gegen Al-Qaida und ihre Sympathisanten in aller Welt nicht gewonnen. Doch ein prominentes Opfer wird schon zu Grabe getragen - die Nato.

Nach dem Angriff auf Amerika hat das mächtigste Militärbündnis der Welt zum ersten Mal in 52 Jahren feierlich den Bündnisfall erklärt

und wird trotzdem nicht gebraucht.

Ein Parzenchor von Kommentatoren singt den Nekrolog. Mit der "kosmischen Bedeutung", die der Allianz in den Jahrzehnten der sowjetischen Bedrohung zukam, sei es vorbei, verkündet die International Herald Tribune

im Pentagon werde das Bündnis als "irrelevant" abgetan. François Heisbourg, neuer Chef des Londoner International Institute for Strategic Studies, senkt den Daumen: Der alten Nato sei "wahrlich der Garaus gemacht" worden. Und Charles Krauthammer, Kolumnist der Washington Post, schwingt triumphierend das Totenglöcklein für den Multilateralismus, der die "Kriegführung per Komitee" betreibe und, "wie Clinton im Kosovo, 18 Staaten ein Veto über Bombenziele geben will". Nur ein Leitmotiv und Erfolgsrezept gebe es künftig für die US-Außenpolitik: den Alleingang.

Relikt des Kalten Krieges?