Es gibt keine Semesterferien, nur 30 Tage Urlaub

es gibt kein Bafög, aber ein monatliches Gehalt. Ein seltsames Studium ist das, dachte sich Christopher Metz anfangs. Bewerben musste er sich dafür nicht an der Hochschule, sondern beim Chemieunternehmen BASF. Erst als er dort einen Ausbildungsplatz hatte, bekam er auch einen Studienplatz im Fach Internationale Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Ludwigshafen. Dann hat er neun Semester studiert und gleichzeitig einen Beruf gelernt. "Im Studium habe ich mich mehr als Angestellter bei BASF gesehen denn als Student", sagt Christopher Metz. Dafür bekommt der 27-Jährige demnächst nicht nur das Diplom als Betriebswirt von der FH, sondern auch den Facharbeiterbrief von der Industrie- und Handelskammer Pfalz.

Duales Studium nennt sich die ungewöhnliche Doppelausbildung. Es ist so etwas wie ein akademisches Überraschungsei für all diejenigen, die gleich drei Wünsche auf einmal haben: studieren, gleichzeitig eine Berufsausbildung machen - und dabei auch noch Geld verdienen. Oder die im Beruf bleiben und trotzdem noch einen Hochschulabschluss machen wollen. Voraussetzung ist ein Vertrag mit einem Unternehmen, an den die Absolventen vielfach auch nach ihrem Abschluss gebunden sind. In den vier bis fünf Jahren Studium müssen sich die Studenten auf einen straff organisierten, stark verschulten und fachbezogenen Stundenplan einstellen.

In der Regel verbringen die Studenten mindestens das erste Semester in dem Betrieb, in dem sie ihre Berufsausbildung machen oder arbeiten. Danach wechseln sich Theorie- und Praxisphasen ab. Meist ist es so, dass die Semester in der Hochschule verbracht werden und die Semesterferien im Betrieb. So verlängert sich die Regelstudienzeit nicht. Nach acht oder neun Semestern sind die Studenten fertig ausgebildet und brauchen dann kein training on the job mehr. Sie haben schon im Studium die Möglichkeit, ihr Fachwissen unmittelbar im Beruf anzuwenden und umgekehrt Probleme aus der Praxis in Seminaren zu diskutieren. "Das ist nah an der Realität im Beruf, aber nicht zu nah am Unternehmen", sagt Christopher Metz. Aus diesem Grund hat er sich für ein duales Studium an der Fachhochschule entschieden - und gegen die Berufsakademie, wo das Studium kürzer und noch praxisnäher ist.

Roter Teppich für die Manager

Weil die Berufschancen mit einem so konsequent anwendungsbezogenen Studium sehr gut sind, ist die Nachfrage nach dualen Studienplätzen hoch. An der Fachhochschule Ludwigshafen zum Beispiel kommen auf 40 Studienplätze pro Jahr etwa 1400 Bewerbungen. Zwar ist die Zahl der dualen Studiengänge in den vergangenen Jahren ebenfalls ständig gestiegen - aber es sind immer noch viel zu wenig. 145 duale Studiengänge gibt es nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz derzeit an deutschen Hochschulen, wobei darunter sowohl ausbildungsintegrierte und berufsintegrierte wie auch berufsbegleitende, kooperative und so genannte Verbundstudiengänge fallen, ebenso wie die Angebote der Berufsakademien.

Doch nicht alles, was sich dual nennt, garantiert auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat in seinem neuen Studienführer zu dualen Studiengängen (siehe Buchtipp) nur diejenigen berücksichtigt, bei denen Hochschulen und Betriebe einen Kooperationsvertrag schließen und sich regelmäßig über Studieninhalte austauschen, bei denen Inhalte und Methoden aufeinander aufbauen und beide Seiten die Studierenden intensiv betreuen. So werden beispielsweise berufsbegleitende Studiengänge, in denen die Praxis zwar zeitlich, aber nicht inhaltlich mit dem Studium verknüpft ist, nicht als duale Studiengänge angesehen. Davon ausgehend gibt es in diesem Wintersemester 79 duale Studiengänge mit über 5000 Studierenden. Die meisten werden in den Ingenieurwissenschaften angeboten, gefolgt von den Wirtschaftswissenschaften und von Informatik.