Drei Präsidenten in weniger als zwei Wochen. Das ist fast so bühnenwürdig wie das Musical Evita, in dem die gleichnamige Heldin, Frau des Linksdiktators Juan Perón, singt: "Don't cry for me, Argentina." Sie weinen jetzt alle: Millionen von Argentiniern, die durch Peso-Abwertung, Dollar-Entkopplung und Inflation ihr Erspartes dahinschmelzen sehen

die ausländischen Unternehmen, die um ihre Investitionen bangen, die internationalen Banken, die vorläufig weder ihre Zinsen kassieren noch ihr Kapital heimholen können. Und warum? Die beste Antwort gibt der vorläufige Präsident Eduardo Duhalde: "Wir Peronisten sind Teil des Problems, genauso wie alle jene, die dieses Land regiert haben, ob Militärs oder Zivilisten."

Doch will Duhalde genau auf jenem peronistischen Dritten Weg - also noch weniger Markt und noch mehr Staat - weitermachen, den seine Vorgänger in Richtung Ruin trassiert hatten. Nicht der Markt, sondern der Staat hat in Argentinien versagt. Es reicht eben nicht, wie es der Halbreformer Carlos Menem in den neunziger Jahren getan hat, dem Land das Korsett der Dollar-Parität anzulegen (um so die Hyperinflation abzuwürgen) oder auch nur hemmungslos zu privatisieren. Was Menem nicht gewagt hat, war die Liberalisierung des Binnenmarktes. Wenn Löhne nur steigen und nie fallen dürfen, wenn Arbeitsmarktflexibilität Anathema bleibt, wenn die Firmen sich von der inneren wie der äußeren Konkurrenz abschotten können und der Anpassungsmechanismus der Abwertung blockiert wird, dann ist das Desaster nur eine Frage der Zeit: Es kam mit der innenpolitischen Explosion nach fast vier Jahren Rezession.

Der Rest der Welt hat natürlich mitgemacht: Er hat den Argentiniern zur Finanzierung ihres anschwellenden Leistungsbilanzdefizites jene 140 Milliarden Dollar an Krediten gewährt, die sie nicht mehr bedienen können - und die zuhauf in die Taschen einer korrupten Herrschaftsschicht geflossen waren. Jetzt probiert es Duhalde mit einem gespaltenen Peso-Kurs - einer weiteren Einladung zu Korruption und Unterschleif. Die mikroökonomische Reform will er nicht anpacken - wie sollte er auch inmitten einer allgemeinen Verarmungskrise? Stattdessen werden die Neoperonisten weitere Sozialprogramme auflegen, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, die langfristig die Konkurrenzfähigkeit des Landes noch mehr untergräbt. Don't cry for me Argentina - das gilt jetzt schon seit einem halben Jahrhundert. Josef Joffe