Will der Arzt Patienten vor Schnupfen bewahren, verordnet er roborierende Maßnahmen. Das sind körperstärkende Aktionen wie Wechselbäder, Sauna, Bürstenmassagen und Kneippsche Anwendungen - Hautattacken, die auch in abgelegenen Köperregionen die Schleimhäute erweitern und vermehrt Blut- und Abwehrkörperchen durch winzigste Äderchen strömen lassen.

Ein solches Gefäßtraining schützt nicht nur vor normalem Schnupfen, sondern kann sogar überlebenswichtig sein. Dies belegt just eine Untersuchung aus den USA: Im kalten Norden sterben die Menschen eher bei Hitzewellen, im warmen Süden dagegen bei Kälteeinbrüchen. Die beste Überlebenschance lag in Florida bei 28 Grad Celsius, in Washington bei 20 Grad. Seelsorger und Naturheiler Sebastian Kneipp hätte einfach knapp befohlen: "Kaltwasserdusche statt Klimaanlage."

Vielleicht aber hat die Sterblichkeit weniger mit verzärtelter Lebensweise als mit der Kleiderordnung zu tun. Genau wie in den USA überleben in Europa eher Nordlichter, wenn es mal richtig lausig wird. Auf der Suche nach Gründen dafür inspizierten finnische und britische Forscher Bekleidungsgewohnheiten der Europäer (International Journal of Biometeorology, Nr. 45/01). 6583 Menschen mussten sich Schicht für Schicht entblättern, und jetzt wissen wir es: Der einzige Unterschied ist, dass sich die Nordeuropäer angewöhnt haben, die erste steife Brise mit Schal, Mütze und Handschuh zu kontern. Dadurch ändert sich zwar der "Fröstelfaktor" nicht. Wer sich jedoch auf diese Weise winterfest macht, überlebt eher. Frieren Hand und Kopf, erklären die Kleiderforscher, steigt der Blutdruck, und es droht Herzinfarkt. Die Mütter haben mit ihren gut gemeinten Mahnungen also Recht. Und noch etwas lernen wir: Wem Kneipp zu anstrengend ist, sollte wenigstens Mützenprävention betreiben.