Gerade ein halbes Jahr ist es her, seit Verbraucher und Einzelhandel ein Stück Handlungsfreiheit gewonnen haben. Rabattgesetz und Zugabenverordnung landeten im Abfallkorb - nach mehr als 60 Jahren. Doch allzu ausgiebig wurden die neuen Möglichkeiten bisher nicht genutzt. Bis gleich zu Beginn des Jahres 2002 schier Unmögliches geschah: Der Bekleidungsfilialist C&A lockte die Kundschaft mit Preisabschlägen von 20 Prozent. So würden die Konsumenten bei ihrer Kaufentscheidung unter Druck gesetzt, schäumte die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs - und bekam vor Gericht erst mal Recht.

Wie mündig also ist der deutsche Verbraucher? Und welchen Spielraum haben die Händler im Wettbewerb? Immer noch gibt der Gesetzgeber auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten.

C&A wollte nur den Euro angemessen begrüßen. In den ersten vier Tagen des neuen Jahres und des neuen Geldes sollten alle Kunden, die ihre Einkäufe bargeldlos zahlten, mit dem Preisnachlass belohnt werden. So wollte die Bekleidungskette sich und ihrer Kundschaft die umständliche Wechselei mit Mark und/oder Euro ersparen. Die Discountaktion wurde zum vollen Erfolg. Die Kunden stürmten die Filialen und füllten deren Kassen - ein Spiel also mit vielen Gewinnern.

Aber das Spiel verstieß gegen die gültigen Regeln des lauteren Wettbewerbs.

Denn C&A hatte nicht etwa mit reichlich Sonderangeboten gelockt, wie es schon seit der Vorweihnachtszeit viele Konkurrenten tun - der Düsseldorfer Branchenriese zog vielmehr eine "Sonderveranstaltung" durch. Und dieses ist nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) nur zweimal im Jahr zulässig, zum Winter- und zum Sommerschlussverkauf. Ausnahmen sind Jubiläumsverkäufe "nach Ablauf von jeweils 25 Jahren" im Leben eines Unternehmens. Ansonsten ist der temporäre Universalrabatt verboten.

Schneller als erwartet und von dem Kleiderhaus auch keineswegs geplant, setzt nun eine Debatte um weitere Reformen des heimischen Wettbewerbsrechts ein.

Tatsächlich passen die Aufhebung des Rabattgesetzes, das nur Preisnachlässe bis drei Prozent zugelassen hatte, und die Beschränkungen im UWG nicht mehr zusammen. Denn die gerade gewährten Freiräume werden durch das geltende UWG wieder eingeschränkt. Schon seit dem Sommer vergangenen Jahres tagt eine Kommission von Wettbewerbsspezialisten, Handels- und Verbrauchervertretern, um solche Diskrepanzen zu beseitigen. Nun dürften dieser Kommission Flügel wachsen. UWG, Rabattgesetz, Zugabenverordnung, Ladenschlussgesetz - diese Reglementierungen waren zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erlassen worden, um die kleinen Händler im Wettbewerb vor den Großen der Branche zu schützen. Doch gerade die Händler, große wie kleine, empfanden diese Gesetze schließlich als das, was sie waren: Beschränkungen im Wettbewerb.