Ein Händedruck. Und dann Schweigen. In Kathmandu, beim Gipfel der südasiatischen Staaten, hatte Pakistans Präsident Musharraf am vergangenen Wochenende dem indischen Premier Vajpayee die Hand "zu echter und aufrichtiger Freundschaft" ausgestreckt. Der Inder reagierte kühl. Der Geste müsse die Tat folgen, "das Verbot von Aktivitäten, die es Terroristen erlauben, von Pakistan aus sinnlose Gewalt über Indien zu bringen". Laut Vajpayee erschöpfte sich sein Dialog mit Musharraf in Nepals Hauptstadt in einem "Hello, hello" beim gemeinsamen Warten auf die Limousinen zur Abreise.

Kathmandu - das war die erste Enttäuschung beim Versuch, den Konflikt zwischen den Atommächten auf dem indischen Subkontinent zu entschärfen. Einen Monat nach dem Anschlag auf das indische Parlament, bei dem 14 Menschen starben, ist von Entspannung nichts zu spüren. Noch immer rollen Transporte mit Panzern und Geschützen zur Grenze. Der Truppenaufmarsch geht weiter, Hunderttausende Soldaten stehen sich mittlerweile in Kaschmir an der "Kontroll-Linie" gegenüber. "Jeden Tag nähern wir uns mehr einer Situation, die niemand beherrschen kann", sagt der kommandierende General auf der pakistanischen Seite.

Erfolglos blieb auch der Vermittlungsversuch Tony Blairs in Neu-Delhi und Islamabad. Blair und Amerikas Präsident Bush fürchten, in Kaschmir könnte der Kampf gegen den internationalen Terrorismus seinen ersten empfindlichen Rückschlag erleiden. Nicht nur, weil Pakistan einen Großteil seiner Truppen nach Osten verlegt und mancher versprengte Taliban- und Al-Qaida-Trupp nun leichter über die afghanisch-pakistanische Grenze entkommen kann. Der Bestand der noch jungen Antiterrorkoalition selbst wäre in Gefahr, sollten die täglichen Scharmützel zwischen Indern und Pakistanis zum offenen Krieg eskalieren.

Zu schweigen von der Angst vor dem großen Brand zwischen den beiden Atommächten. Allzu oft endeten die Planspiele westlicher Militärs, die einen Konflikt zwischen Indien und Pakistan simulierten, im nuklearen Schlagabtausch. In Russland und China sind diese Sorgen um keinen Deut geringer. Aber die Inder ließen Blair, den ungebetenen Gast, mit leeren Händen weiterreisen. "Indien braucht keine Vermittlung", beschied Außenminister Singh den Regierungschef der ehemaligen Kolonialmacht.

Blairs gescheiterte Mission - das war die zweite Enttäuschung im Nervenkrieg.

Jetzt dürfte die Regierung Bush den diplomatischen Druck verstärken und einen Sonderbeauftragten nach Südasien entsenden. Aber auch der könnte die Erfahrung machen, dass Indien - stolz und hochfahrend - das Kaschmir-Problem als rein bilaterale Angelegenheit versteht und sich jede Einmischung von außen verbittet.

Gibt es gute Terroristen?