Saddams Wahl.

Das amerikanische Time-Magazin hat sich wohl irgendwie nicht getraut. Wäre es bei der Auswahl der "Person des Jahres" streng nach Tradition gegangen, hätte es denjenigen auf sein Titelblatt heben müssen, der besonderen Einfluss auf das Weltgeschehen hatte. Die Wahl hätte damit doch eigentlich eindeutig - wenn auch nolens volens - auf den unbeliebtesten Vollbartträger aller Zeiten fallen müssen. Streng genommen, wie gesagt. Time zog es dann doch vor, den schillerndsten amerikanischen Helden zum "Mann 2001" zu krönen: Rudolph Giuliani, Exbürgermeister von New York.

Eine andere - kraft Amtes auch publizistische - Instanz hatte weniger Skrupel: Iraks Diktator Saddam Hussein, schon öfter aufgefallen durch vielerlei, äh, politische Inkorrektheiten, befahl den Gazetten seines Landes, Osama bin Laden auf den Schild zu hieven. Bin Laden habe das Image des Islam verbessert, indem er die USA angegriffen habe, rühmte allen voran das Regierungsblatt al-Dschumhuriya den Al-Qaida-Chef. Immerhin 13 Personen hatte die Zeitung zuvor nach ihrer "Meinung" befragt. Keiner von ihnen hatte - sieh an - Einwände gegen den Ehrentitel. Ein anderes Blatt ging noch weiter und schrieb stilistisch gewandt: "Bin Laden ist der Beste, Bush der Dümmste".

Glückwunsch, Herr Hussein, zu so viel mutiger Pressefreiheit!

Auszeichnung fürs Leben.

Jörg Burger (37), ZEIT-Redakteur im Ressort Leben, erhält den diesjährigen Jounalistenpreis des Märkischen Presse- und Wirtschaftsclubs Berlin zum Thema "Vom Leerstand zu Notstand? Die Zukunft ostdeutscher Städte sichern".

Ausgezeichnet wird Burgers Reportage Das Geisterhaus, die von den Bewohnern des ersten Berliner Plattenbaus, der abgerissen werden sollte, erzählt - und davon, dass sie am liebsten gar nicht ausgezogen wären (ZEIT Nr. 17/01, 19.